Unverantwortlicher Beitrag des Schweizer Fernsehens über assistierten Suizid eines psychisch Kranken

Kommentar zum Film „Tod nach Plan – André, psychisch krank und lebensmüde“ , SF 1, Redaktion DOK, 17. Februar 2011, 20:05 bis 20:59

Auch nach der Betrachtung des Films muss eindeutig festgehalten werden, dass sich das Schweizer Fernsehen vorwiegend zur mehrfachen Erfüllungsgehilfin von fragwürdigen Zielen gemacht hat:

1.) Das Schweizer Fernsehen lässt sich in das pathologische System eines manisch kranken Menschen einspannen.

Ein manisch veranlagter Mensch versucht immer, seine ganze Umgebung in seine „Projekte einzubeziehen“. Das Schweizer Fernsehen hat dem Opfer, bei allem Respekt für sein Leben, sein Leiden, sein Schicksal und seine Krankheit, eine bequeme Plattform der Selbstinszenierung und Selbstrechtfertigung geboten. Bezeichnend dafür ist doch, dass Herr Rieder selber das Fernsehen kontaktiert hat. Es ist selten bis nie zielführend, wenn sich Personen, Institutionen oder Medien in „Projekte“ psychisch kranker Menschen.einspannen lassen Es kann nicht genug darauf verwiesen werden, dass gerade psychisch labile, besonders verletzliche Menschen von solchen Todesphantasien und dem in aller Breite dargelegten Lebensüberdruss negativ beeinflusst werden können.

2.) Das Schweizer Fernsehen ermöglicht eine Selbstdarstellung der Organisation Exit
Die Leiterin der Exit Freitodbegleitung, Frau Heidi Vogt versucht verzweifelt, Exit als seriöse Organisation auch in diesem Fall darzustellen. Sie betont, dass Sterbehilfe nie geleistet werden dürfe, falls der Wunsch dazu ein Symptom der Krankheit selber sei. Genau das ist es aber gemäss unserer Einschätzung. Gab doch Herr Rieder als Motive für seinen Suizid an: Er wolle nicht nochmals eine manische Phase erleben und er wolle seinen „sauberen Abgang“ organisieren. Es ist also seine Angst vor seiner Krankheit, welche ihn zu diesem Entschluss treibt. Es lägen drei psychiatrische Fachgutachten vor. Dem Filmproduzenten zugute halten kann man, dass er den Chefarzt der Psychiatrischen Klinik Burghölzli zu Worte kommen liess. Dieser bezeichnete den Begriff „austherapiert“ als keines professionellen Psychiaters würdig und entlarvte das ihm vorgelegte Gutachten als Gefälligkeitsgutachten aus weltanschaulichen Gründen von Exit nahe stehenden Aerzten. Die Leiterin der Exit Freitodbegleitung widersprach auch nicht der Bemerkung des Reporters, dass es sich wohl bei diesen Gutachtern um „Exit-nahestehende“ Aerzte handelt.

3.) Das Schweizer Fernsehen gibt Exit die Möglichkeit, den erweiterten „Dienstleistungskatalog“, den Zugang für psychisch Kranke zum assistierten Suizid bekannt zu machen

Das Schweizer Fernsehen macht sich zum Handlanger von Exit. Das hat die Leiterin doch indirekt selber zugegeben, als sie dem Filmemacher bekannt gab, die drei begutachtenden Psychiater würden sich nicht der Kamera stellen, weil sie sonst mit Anfragen von solchen Menschen überschwemmt würden. Nun wird einfach Exit mit „Anfragen von solchen Menschen“ überschwemmt. Der Suizid wird als sauberer und gangbarer Ausweg für Menschen mit psychischen Schwierigkeiten propagiert. Da stellt sich Exit gerne zur Verfügung. Ein fatales Signal. Der Werther-Effekt lässt grüssen.

4.) Das Schweizer Fernsehen stellt die Suizidhilfe für psychisch Kranke verharmlosend dar und wird so selber zur Partei in der aktuellen politischen Diskussion
Das Schweizer Fernsehen macht sich zusätzlich zur einseitigen Partei in der politischen Diskussion zum assistierten Suizid, indem trotz einigen kritischen Fragen, Suizidbeihilfe für psychisch Kranke als gangbarer Weg dargestellt wird, dem selbst professionelle Psychiater zustimmen. Zudem fällt auf, dass SF DRS in den Sendebeschreibungen mit Vorliebe den Begriff „Freitod“ verwendet, und damit die beschönigende Sprachregelung der organisierten Suizidbeihilfe übernimmt. So wird eindeutig versucht, auf die  politische Meinungsbildung Einfluss zu nehmen,  Die Sendung wurde überdies unter sehr sorgfältiger Beachtung der politischen Agenda lanciert: Frau Sommaruga beugt sich wohl gerade zur Zeit über ihren neuen Vorschlag für eine „Regelung des assistierten Suizid“. In den Kantonen Zürich und Waadtland finden Kantonale Abstimmungen zum Thema demnächst statt.
Die gesellschaftspolitische Absicht des Filmautors, Hanspeter Bäni, drückt sich auch in folgendem Zitat aus, welches sich auf der Homepage des Schweizer Fernsehens finden lässt: „Anfänglich interessierte mich die Geschichte einfach wegen ihrer politischen und gesellschaftlichen Relevanz. Der Bundesrat wird in den nächsten Monaten strengere Richtlinien für Suizidhilfeorganisationen bekannt geben. (…)
Ein wichtiger und umstrittener Punkt dabei ist der assistierte Freitod von psychisch Kranken. Würden diese zukünftig von der organisierten Suizidhilfe ausgeschlossen, wäre dies eine Diskriminierung gegenüber todkranken Patienten..“ (Hervorhebungen durch die Schreibenden, Quelle: http://www.sendungen.sf.tv/dok/Nachrichten/Archiv/2011/01/26/dokmanual/Gelitten)
Hanspeter Bäni ist wohl angetreten, um mit seinem Film gegen die Gefahr präventiv anzutreten, dass psychisch Kranke von der organisierten Suizidhilfe ausgeschlossen werden könnten.

Alles in allem: Ein unverantwortlicher Beitrag des Schweizer Fernsehens: HLI überlegt sich die Einreichung diverser Beschwerden.

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