Die Fernsehsendung „Sternstunde Religion“ am 29.5.11 – keine Sternstunde für die Bioethik

Thema der Sendung von SF DRS „Sternstunde Religion“ am 29.5.11 war die Präimplantationsdiagnostik (PID). Trotz einiger kritischer Ansätze konzentrierte man sich vor allem auf Bedürfnisse und Leiden kinderloser Paare. Es wurde auch versucht, mit Hinweis auf Fristenlösung und Pränataldiagnostik die Embryonenvernichtung im Labor zu rechtfertigen. In der Gesprächsrunde hatte man dem nichts Entscheidendes entgegenzusetzen. Die Chance, auch die Gegenargumente zur PID eingehender zu würdigen, wurde verpasst.

Die Sendung setzt sich aus einem Vorspannfilm und einer Gesprächsrunde zusammen. Wobei nebst der Moderatorin J. Hardegger die Theologin und Biologin Sibylle Ackermann und Frau Dr. med. Brida von Castelberg, gynäkologische Chefärztin am Triemli-Spital teilnahmen.

Der einführende Film setzte sich mit einem deutschen Paar auseinander, das sich  nach mehreren Aborten nach Brüssel zur Durchführung einer erfolgreich verlaufenden  In-Vitro-Fertilisation (IVF) mit PID begab. PID ist in Deutschland – wie in der Schweiz – immer noch verboten. Diesem ganzen Geschehen wurde breiter Raum gewährt, ebenso Aussagen liberaler Reproduktionsmediziner. Immerhin kamen vereinzelt Kritiker der Embryonenselektion mittels PID zu Wort. Unter anderem auch Dr. Peter Radtke, selber stark behindert, der nicht müde wird, auf die diskriminierende und menschenverachtende Wirkung der Embryonenselektion und –vernichtung hinzuweisen. Kurz war auch Prof. E. Schockenhoff zu sehen, der das PID-Verbot aus katholischer Sicht verteidigte. Zwei weitere Aussagen im Film sind bemerkenswert: Ein Reproduktionsmediziner meinte, dass er keinesfalls Herr über Leben und Tod sei, denn, so schloss er edel und  „messerscharf“: es sei ja die betroffene Frau, die den zu implantierenden Embryo auswähle! So einfach geht heute die säkulare Absolution oder das Abwälzen der Verantwortung auf überforderte Laien! Einer der letzten Sätze forderte eine ehrliche Diskussion um die PID in der Gesellschaft. Dies kann von HLI-Schweiz nur unterstützt werden, vor allem wenn man sich die einseitige Informationspolitik zuständiger Fachgesellschaften und Akademien vergegenwärtigt.

Diese Vorgaben hätten eigentlich zu  einer vielversprechenden Gesprächsrunde führen sollen, in der das Publikum auch eingehender über die Rückseite der Medaille hätte ins Bild gesetzt werden können.  Doch die als Ethikerin die katholische Position vertretende Frau Ackermann beschränkte sich im Wesentlichen auf die Aufzählung von Pro- und Kontra-Argumenten, ohne zu einem klaren Urteil zu gelangen.  Immerhin wehrte sie sich gegen das Argument, dass erlaubte Abtreibungen gesunder Kinder auch die Vernichtung von Embryonen im Reagenzglas schon rechtfertigten. Dies war in der exponierten Situation im Fernsehen auch angezeigt, weil sie sonst – wie die anwesende Chefärztin – einem elementaren Fehlschluss erlegen wäre. Allerdings liess sie auch durchblicken, dass im Einzelfall eine Embryonenvernichtung bei genetisch vorbelasteten Paaren  in Kauf zu nehmen sei. Hier wurde mit der schlicht falschen Behauptung aufgewartet, dass im Falle eines absoluten Lebensschutzes für den Embryo auch Eileiterschwangerschaften nicht unterbrochen werden dürften. Doch handelt es sich um einen völlig untauglichen Vergleich, da das Ungeborene bei einer Eileiterschwangerschaft auf jeden Fall rettungslos verloren ist, und der operative Eingriff die Lebensgefahr für die Mutter abwendet.  Eine solche Situation hat mit der PID überhaupt nichts zu tun und weist auch eine völlig unterschiedliche Handlungsstruktur auf.

Unangenehm wurde es, als die Moderatorin – zu Recht – die Frage der Eugenik aufwarf. Der Gynäkologin blieb nur ein Schulterzucken, während die Ethikerin wortreich auf die Autonomie der Paare verwies.

Interessanterweise wurden von Frau Ackermann – sie ist auch Mitglied des Generalsekretariats der SAMW – noch statistische Daten der ESHRE1 zitiert. Sie betrafen die Zunahme des genetischen Screenings bei allen IVF und die Geschlechtsauswahl in Ländern, welche die PID schon längere Zeit zugelassen haben. Dabei handelt es sich um dieselben Hinweise, welche von HLI der SAMW im Zusammenhang mit unserer Kritik am Faktenblatt zu IVF und PID zugestellt worden waren. Eine Folge unserer Aktion? Allerdings wirkte die Vertreterin der SAMW fast hilflos mit der Aussage, man hoffe halt,  dass es in der Schweiz nicht so weit komme.

Auch diese Sendung zeigt, dass wir im Bemühen nicht nachlassen dürfen, auf alle Fakten und Nachteile dieser menschenverachtenden Embryonenselektion und -vernichtung hinzuweisen. Eine nächste Gelegenheit wird sich bei der bevorstehenden Vernehmlassung zum Fortpflanzungsmedizingesetz und der gleichzeitigen Verfassungsänderung ergeben.

1) European Society of Human Reproduction and Embryology


Quelle/Links:
Sternstunde Religion vom 29.5.11: Gesprächsrunde 

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