PID: Schweizer Reproduktionsmediziner werben für unausgereifte Technik

In der Sendung Club des Schweizer Fernsehens wurde den Zuschauern ein Filmausschnitt gezeigt, der die Methode der Präimplantationsdiagnostik erklären sollte. Felix Häberlin, der Leiter des IVF-Labors Fiore in St. Gallen stellte den Zuschauern ein Verfahren vor, das sich immer noch im experimentellen Stadium befindet. Die Entnahme von Zellen zur genetischen Untersuchung erst nach dem 5. Tag nach der Befruchtung im sogenannten Blastozyststadium ist noch keine Routine. Nach der aktuellsten ESHRE Statistik erfolgt die Entnahme der Zellen bei 99.9% aller PID-Zyklen nach drei Tagen. Dabei werden einem 8-zelligen Embryo in der Regel zwei Zellen für die genetische Untersuchung entnommen. Obwohl diese Methode 1990 erstmals angewendet wurde, gibt es bis heute keine Langzeitstudie, welche die Risiken für die nach PID geborenen Kinder untersucht hätte. Die Fakten welche wir ihnen für beide Methoden präsentieren, sprechen für ein klares Nein zur PID.

Präimplantationsdiagnostik am dritten Tag nach Befruchtung

  • Der Embryo wird massiv verletzt (Video). 13 bis 25% des Embryos wird für die Diagnose verwendet. Ca. 40% der erfolgreich diagnostizierten Embryonen können sich nicht einnisten.
  • Auf ein nach PID geborenes Kind kommen durchschnittlich 40 Embryonen (Geschwister) welche für das Verfahren geopfert werden.
  • Nicht alle Zellen sind gleich, was die Diagnose verfälschen kann. Deshalb wird invasive pränatale Diagnostik angeraten. Bei falscher Diagnose wird abgetrieben.
  • Seit 1990 wird PID mit dieser Technik angewendet. Trotzdem gibt es keine einzige Studie, welche die Langzeitauswirkung der PID auf die geborenen Kinder untersucht hätte.
  • Studien, welche die ersten zwei Jahre nach der Geburt untersuchten, zeigen nach PID eine ähnlich grosse Missbildungsrate wie nach ICSI: 2% (Bonduelle 2014). Nach natürlicher Zeugung sind es 1.0%.

Risiken nach IVF/ICSI

  • Nach In-vitro-Fertilisation findet man bereits bei 10-12jährigen Kindern Zeichen einer frühzeitigen Arteriosklerose und erhöhter Insulinresistenz. Es dürfte noch 20-30 Jahre dauern, bis sich das durch Diabetes, Herz-Kreislauferkankungen und Schlaganfälle auswirkt (Scherrer 2014).
  • Es gibt eine Publikation, wonach die Diagnose von Autismus bei Kindern im Alter bis 5 Jahre nach ICSI erhöht ist (Kissin 2015).

Grafische Darstellung der Selektion während der Präimplantationsdiagnostik

Daten der aktuellsten PID-Statistik der European Society of Human Reproduction and Embryology: Moutou C. et al., ESHRE PGD Consortium data collection XII: cycles from January to December 2009 with pregnancy follow-up to October 2010. Hum Reprod 29 (2014) 880-903.

Präimplantationsdiagnostik am 5. Tag (Blastozystenbiopsie)

Vorteil: Es stehen mehr Zellen für die Diagnose zur Verfügung. Es sind nicht nur zwei, wie Dr. Häberlin erklärte, sondern meisten 5-10 (Video1 oder Video 2). Diese machen ca. 5% des Embryos aus. Von daher gesehen, ist der Eingriff weniger invasiv wie am 3. Tag. Die Einnistungsrate wird kaum beeinträchtigt. Es sind nicht so viele Embryonen mosaik, wie nach drei Tagen. Die Diagnose wird dadurch sicherer. Aber es gibt schwerwiegende Nachteile:

  • Die Blastozyste ist der „Survivor of the fittest“ all jener Embryonen, die im Kulturmedium entwickelt wurden. Deshalb kommen auf ein geborenes Kind je nach Studie immer noch 15 bis 30 Embryonen.
  • Der Embryo ist länger im künstlichen Kulturmedium, was epigenetische Veränderungen zur Folge haben kann. Die Folgen für die geborenen Kinder wurden noch nicht untersucht.
  • Es gibt noch keine Daten über die Missbildungsraten und gesundheitlichen Risiken für die geborenen Kinder. „Es scheint, dass PID-Screening noch während etlichen Jahren eine experimentelle Technik bleibt“ (Geraedts Joep, PID-Zentrum Maastricht UMC+, 2014).
  • Es fällt auf, dass in den bisherigen Publikationen durchschnittlich 15 bis 20 Eizellen gewonnen wurden, was ein sehr hoher Wert ist. Die Gefahr einer Überstimulation, die einen Spitalaufenthalt zur Folge hat, wird massiv erhöht.
  • Je nach Publikation werden im Rahmen der Blastozystenbiopsie 15 bis 30 Embryonen geopfert.

Fazit: Unabhängig vom embryonalen Stadium, in dem die Präimplantationsdiagnostik erfolgt, handelt es sich um ein unausgereiftes Verfahren, dessen Langzeitfolgen noch nicht untersucht wurde. Hätte die Reproduktionsmedizin ein Interesse daran, würden die Resultate nach 25 Jahren Anwendung vorliegen. Die Reproduktionsmedizin ist allein auf das gewünschte Kind fokussiert und blendet völlig aus, dass ja nach Verfahren 15 bis 30 seiner Geschwister beim Verfahren geopfert werden. Bedenklich ist, dass die Folgen der Technik für das betroffene Kind noch überhaupt nicht abgeklärt wurden und trotzdem die PID im grossen Stil inkl. Screening propagiert wird.

Quelle/Links:

SRF: Sendung Club, Babys nach Mass und auf Vorrat. 21.4.2015.Siehe 2:58- 4:18. Felix Roth (Embryologe): „Am 5. Tag hat man eine sogenannte Blastozyste.“ Felix Häberlin (Reproduktionsmediziner): „Die Blastozyste ist immer noch kleiner als 1 mm. Aber sie hat etwa 100 Zellen und wenn man eine Präimplantationsdiagnostik machen möchte, entnimmt man zwei Zellen von diesen 100.“

vgl. Niederer Alan, Die PID als frühestmögliche Methode der Pränataldiagnostik. NZZ 6.5.2015.

fortpflanzungsmedizin-ja.ch

Fachliteratur:

Umfangreiches Dossier über PID. „The current Status of PGD and PGS. Programm Course 12, Munich 2014“ 142 Seiten mit den Präsentationen der Vorträge einiger Experten im Rahmen der Jahrestagung von ESHRE 2014 in München. Etliche Aussagen sind dieser Dokumentation, die via Internet zugänglich war, entnommen.

Kissin D.M. et al., Association of assisted reproductive technology (ART) treatment and parental infertility diagnosis with autism in ART-conceived children. Hum Reprod 30 (2015) 454-465.

Dahdouh E.M., Balayla J., García-Velasco J.A., Impact of blastocyst biopsy and comprehensive chromosome screening technology on preimplantation genetic screening: a systematic review of randomized controlled trials. Reprod Biomed Online 30 (2015) 281-289.

Scott R.T. Jr et al., Blastocyst biopsy with comprehensive chromosome screening and fresh embryo transfer significantly increases in vitro fertilization implantation and delivery rates: a randomized controlled trial. Fertil Steril 100 (2013) 697–703.

Zakharova E.E., Zaletova V.V., Krivokharchenko A.S., Biopsy of Human Morula-Stage Embryos: Outcome of 215 IVF/ICSI Cycles with PGS. PLoS One 9 (2014) e106433.

Rimoldi SF, Sartori C, Rexhaj E, Cerny D, Von Arx R, Soria R, Germond M, Allemann Y, Scherrer U, Vascular dysfunction in children conceived by assisted reproductive technologies: underlying mechanisms and future implications. Swiss Med Wkly 144 (2014) w13973.

Scott KL, Hong KH, Scott RT Jr., Selecting the optimal time to perform biopsy for preimplantation genetic testing. Fertil Steril 100 (2013) 608-614.

Handyside A.H., Konogianni E.H., Hardy K., Winston R.M.L., Pregnanices from biopsied human preimplantation embryos sexed by Y-specific DNA amplification. Nature 344 (1990) 768-770.

 

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