HLI-Schweiz fordert den Kantonsarzt des Tessins auf, die IVF-Klinik Procrea zu überprüfen

Die Organisation HLI-Schweiz hat bei den Statistiken des Jahres 2013 über die assistierte Fortpflanzungsmedizin des Bundesamtes für Statistik und der FIVNAT Unstimmigkeiten bezüglich der Vernichtung von Embryonen entdeckt. Sie verlangt daher eine Untersuchung der diesbezüglichen Praxis in der Klinik Procrea, Bellinzona durch den Kantonsarzt als Aufsichtsbehörde. Unabhängig vom Ausgang der Untersuchung zeigt das Beispiel, dass die gesetzlich geforderte unabhängige Kontrolle der Fortpflanzungsmedizin nicht funktioniert.

Die gemäss Fortpflanzungsmedizingesetz zu erhebenden Daten wurden im Jahr 2013 bei 27 Zentren über die Organisation FIVNAT erfasst. Mutmasslich ein Zentrum hat seine Daten über den Kantonsarzt an das Bundesamt für Statistik gemeldet. Aus der Differenz der Jahresstatistiken des Bundesamtes und der FIVNAT ergeben sich so die Zahlen dieses Zentrums. Es handelt sich mutmasslich um das grosse Zentrum PROCREA in Bellinzona, das nachweisbar bis Ende 2015 nicht Mitglied der FIVNAT war.
In der Schweiz wurden im Jahr 2013 insgesamt 1’859 sogenannte überzählige Embryonen vernichtet. In den meisten Fällen geschieht dies gemäss FIVNAT aus folgenden Gründen: Entwicklungsstopp (63,6%), schlechtes Entwicklungspotenzial (15,2%) oder die Entscheidung des betroffenen Paares, keinen Embryo zu übertragen (14,1%). Zur Kategorie „Andere Gründe“ zählte die FIVNAT total 14 Fälle bei insgesamt 27 Kliniken (0.9%). Bei der Statistik des Bundesamtes sind es aber insgesamt 224 Fälle. Das heisst, dass die Klinik PROCREA allein für 210 aus „anderen Gründen“ vernichtete Embryonen verantwortlich sein muss. Das betrifft 15 Mal mehr Embryonen als bei den 27 anderen Kliniken zusammen! Ohne Verstoss gegen das geltende Fortpflanzungsmedizingesetz ist das nicht zu erklären. Ausserdem war das Zentrum PROCREA im Jahr 2013 mutmasslich allein für 44,4% aller Vernichtungszyklen in der Schweiz verantwortlich!

Bundesamt für Statistik
28 Kliniken
FIVNAT
27 Kliniken
Differenz
mutmasslich eine Klinik: Procrea, Bellinzona
Behandlungszyklen

11’273 (100%)

9’729 (86,3%)

1’544 (13,7%)

vernichtete Embryonen

1’859

1’559

264

vernichtet aus „anderen Gründen“

224 (100%)

14 (6.2%)

210 (93.8%)

Vernichtungszyklen

36 (100%)

20 (55,5%)

16 (44,4%)

Diese Zahlen legen den Verdacht nahe, dass die Klinik Procrea sich wenigstens im Jahr 2013 nicht an Art. 17 Abs. 1 des Fortpflanzungsmedizingesetzes gehalten hat. Bei dieser äusserst hohen Zahl von 210 aus „anderen Gründen“ vernichteten Embryonen müssen die tatsächlichen Gründe eruiert werden. Es wäre beispielsweise möglich, dass die Reproduktionsmediziner bereits den electiven Single Embryotransfer (eSET) anwandten und dadurch überzählige Blastozysten erhielten und vernichteten.

Nach der Auffassung der Lebensschutzorganisation HLI-Schweiz muss die genaue Ursache der oben genannten Unstimmigkeiten durch die Bewilligungsbehörde inklusive Folgejahre 2014, 2015 und 2016 sorgfältig geprüft und im Falle eines Verstosses strafrechtlich verfolgt werden (Offizialdelikt).

KONTAKT:
Human Life International (HLI) Schweiz, Postfach 1307, 6301 Zug
041 710 28 48, office@human-life.ch, Webseite: www.human-life.ch


Fortpflanzungsmedizingesetz: Art. 2 Bst. i: Definition des Embryos: „Embryo: die Frucht von der Kernverschmelzung bis zum Abschluss der Organentwicklung;“, Art. 17 „Entwicklung von Embryonen“ und Art. 37 „Strafbestimmungen“.

Webseite der Klinik Procrea: www.procrea.ch Ergänzende Information: Das Procrea Swiss Fertility Center war gemäss Jahresbericht 2014 der FIVNAT bis Januar 2016 nicht Mitglied der FIVNAT (Link abgerufen am 27.4.2015). In diesem Jahresbericht heisst es wörtlich: „In den Jahren 2014 und 2015 mussten wir – vor allem aus wirtschaftlichen Gründen – auf eine externe Auditierung der Zentren verzichten.“ Procrea war ganz sicher im Zeitraum der Statistik 2013 und gemäss weiteren Jahresberichten der FIVNAT von 2009-2015 nicht unter der Kontrolle der FIVNAT.

Brief an Kantonsarzt TI (Original & Übersetzung):