Vortrag für HLI am 23. Oktober in Zürich
Referent: Käthy von Däniken
Harmonie von Geist und Körper, was hat Enthaltsamkeit damit zu tun?
Als Urs Kayser mich anfragte, ob ich zum Thema Enthaltsamkeit etwas sagen könnte, dachte ich, kein Problem, das leben wir ja seit vielen Jahren. Als ich mich aber dann daran machen wollte, meine Erfahrungen aufzuschreiben, wurde es schon schwieriger. Ich stellte fest, dass unser Lebensstil den wir uns zu eigen gemacht haben, zu einer Routine geworden ist und ich mir gar nicht mehr bewusst war, wie wir diesen Stil Umsetzen.
Natürlich habe ich ein Konzept entwickelt, was ich den Jugendlichen in der Schule, oder den jungen Paaren im Ehevorbereitungskurs zu diesem Thema erzähle:
z.B. Heute gibt es viele Arten der Enthaltsamkeit. Sportler verzichten lange in den Ausgang zu gehen usw., um fit zu bleiben für einen Wettkampf. Mannequins enthalten sich fettes zu Essen, wegen der Figur. Wir Ehepaare enthalten uns der sexuellen Vereinigung, während den fruchtbaren Tagen der Frau, wenn wir kein Kind wünschen.
Ich behaupte in den Kursen, dass es gar nicht ein so grosses Problem ist, periodisch enthaltsam zu sein, weil es heute viele Möglichkeiten gibt sich abzulenken, sowie, dass die Liebe und Attraktion erhalten bleibt, ja sich sogar vertieft.
Ich habe mich wieder einmal daran gemacht, meine Ehe zu beobachten, um festzustellen ob meine Behauptung überhaupt stimmt und wie sich bei uns die Enthaltsamkeit eingelebt und ausgewirkt hat. Ich hoffe es gelingt mir, diesem vordergründig grossen Problem auf den Zahn zu fühlen und der Realität im Eheleben auf die Spur zu kommen.
Einige von euch kennen mich. Sie wissen, dass ich im äussersten Zipfel der Schweiz, im Puschlav lebe, verheiratet bin, nach der natürlichen Empfängnisregelung von Herrn Professor Doktor Rötzer lebe, das heisst nach der Symtho - Thermalen Methode und sechs Kinder habe. Drei Mädchen und drei Jungen, im Alter zwischen 22 und 13 Jahren.
Daran ist im übrigen hauptsächlich Herr Dr. Ehmann schuld! Er war es nämlich, der uns im Ehevorbereitungskurs vor 23 Jahren den Unterschied zwischen Verhütung und Empfängnisregelung erklärte. Das hat unsere Wahl der Familienplanung ganz entscheidend beeinflusst. Für uns war nach seinem Vortrag klar, dass nur die natürliche Familienplanung in Frage kam. Aus religiösen, humanitären, und idealistischen Gründen.
Gut erinnern kann ich mich an seine Reaktion, als wir jungen Paare ihm auf den Zahn fühlten wegen den Natürlichen Methoden und er uns damals ausser Knaus Ogino keine andere Methode anbieten konnte. Die war aber schon bei unseren Grosseltern und Eltern als unsicher verpönt.
Wir nahmen die Herausforderung trotzdem an und fühlten uns schon damals als Exoten. Wir wünschten uns mehrere Kinder, so konnten wir die relative Unsicherheit der Methode am Anfang unserer Ehe in Kauf nehmen.
Das Funktionierte Folgendermassen:
Ich bekam von meiner Mutter diesen Karton. Das ist ein Reliquie, ein Original Ogino Knaus Tabellenschieber. Mein Mann hat mir für Sie eine Vergrösserung davon hergestellt, damit Sie besser verfolgen können, wie ich meine Zyklen planen musste.
Sie sehen hier verschiedene Beispiele von Zykluslängen. Für eine von diesen musste ich mich im voraus entscheiden. Nach meinem damaligen Wissensstand hatte ich 28 Tage Zyklen. Deshalb entschied ich mich für dieses Beispiel hier. Laut dem konnte ich zwischen dem 6. Und 16. Tag schwanger werden.
Das klappte zwischen den ersten drei Schwangerschaften mit einem Abstand von jeweils 18 Monaten ganz gut .
Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich mich immer unsicher fühlte und der Sache nie recht traute. Es waren Angstgefühle da, im falschen Moment schwanger zu werden, die mir oft die Lust auf eine körperliche Vereinigung raubten, dass es mir egal war, ob wir einen Verkehr hatten oder nicht, auch wenn es laut Tabelle die unfruchtbaren Tage waren. Alles was ich tat, war auf die nächste Mens. zu hoffen, um zu sehen ob die Rechnung mit dem Schieber auch diesmal aufging.
Ich weiss nicht wie es für meinen Mann war, für mich war Enthaltsamkeit ein Mittel zum Zweck. Die Arbeit mit den Kindern, dem Haus und Garten forderten mich mehr als ich es mir vorgestellt hatte und obwohl wir uns noch mehr Kinder wünschten, wollte ich sie auch geniessen können, mit ihnen spielen, spazieren gehen usw.
Die grosse Krise kam, als sich das Vierte schon 3 Monate nach der Geburt des Dritten anmeldete.
In mir machte sich eine grosse Wut breit.
Warum, was lief da ab:
Folie:
Es kamen von aussen:
Wir lebten im Zwiespalt
Was sich Andere aus meiner nächsten Verwandtschaft sehnlichst wünschten, fruchtbar zu sein, wurde für uns zur Belastung
Es war eine sehr intensive Zeit. Aber nie hätte ich den Kritikern eingestanden, dass wir an unser Limit gekommen waren. Ich war meinem Mann dankbar, dass er mit mir einig war, ich nicht die Pille schlucken musste und eine Spirale hätte wir beide sowieso nie akzeptiert. Der natürliche Weg war trotzdem der Einzige für uns.
Da wir immer auf der Suche nach etwas Neuem waren, kamen wir auf die Temperatur Methode, dann auf Billings und nach dem Fünften Kind zur Symtho Thermalen Methode.
Eines hatten diese Methoden alle gemeinsam: die enthaltsamen Tage
Ich wusste aber sofort, dass die Symtho- Thermale für mich wie geschaffen war, die Antwort auf mein Suchen und meine Vorstellungen.
Folie:
Dieses Naturbild hatte ich immer vor Augen. So liefen also meine Zyklen ab!
Ich konnte an meinem Körper die fruchtbaren Tage in der Schleimphase ablesen, die wie eine Regenzeit in der Natur leicht zu verstehen war.
Meine Zyklen entwickelten sich genau nach Buch. Die Folge davon: meine Angst und Unsicherheit verschwanden. Im Gegensatz zu vorher, wagte auch ich einmal meinen Mann zu verführen!
Jetzt mit diesen genauen Kenntnissen des Zyklus, wurde die Enthaltsamkeit von einem unabwendbaren Grundübel zu einem dazugehörenden, integrierten Grundelement. Unser Leben hatte einen Rhythmus, den ich früher gar nie wahrgenommen hatte.
Mein Zyklus war nun auch der Zyklus meines Mannes. Er wusste (und weiss) immer genau wo ich stand und konnte darauf eingehen.
Die enthaltsamen Tage bekamen noch mehr neue Gesichtspunkte. Sie wurden zu einem Gesprächsthema.
Folie:
Gesprächsthemen über die enthaltsamen Tagen
Ausführungen zu den Punkten auf der Folie
1. Wir haben an diesen Tagen z.B. Fotos eingeklebt. So konnten wir in Erinnerungen schwelgen und viele Situationen überdenken, darüber lachen, reden, vielleicht sogar zusammen verarbeiten. Es tut gut zu sehen, dass man aneinander und miteinander gewachsen ist an den überstandenen Schwierigkeiten.
2. Mit der Zeit haben wir diese besagten Tage für uns umgetauft. Wir nennen sie heute unsere Fastentage. Ich weiss nicht haben Sie schon einmal in Jahresprogrammen von Bildungszentren das Angebot für Fastenwochen gelesen: Es wird dort auf das Essen verzichtet, also auf etwas was vordergründig für den Körper wäre, um Zeit zu gewinnen, den Geist, die Seele, das Spirituelle im Menschen zu pflegen.
So wird ganz klar wozu das "sich zusammennehmen", "Gelüste überwinden" gut ist. Auch dass man daran keinen Schaden nimmt, sondern im Gegenteil, daran wächst.
3. Mit der Zeit gehört das Verzichten zum Lebensstil, zum Rhythmus des Alltags und wird auch so empfunden. Also lässt es sich einplanen.
4. Die Spontaneität kommt schon, nachdem gefastet wurde. Studien belegen übrigens, dass Ehepaare die mit der Pille verhüten im Durchschnitt weniger häufig zusammenkommen als NFP Paare.
5. Wir üben in den enthaltsamen Tagen bewusst die gegenseitige Liebe im gemeinschaftlichen Leben des Alltags.
Das heisst zum Beispiel:
Folie:
Gegenseitige Liebe im gemeinschaftlichen Leben des Alltags
Diese bewussten Übungen der gegenseitigen Liebe und Einheit wirken sich natürlich auf den ganzen Monat aus. Ich habe nicht das Gefühl alleine zu lieben, sondern ich fühle mich auch geliebt. Unsere Anstrengungen beruhen auf Gegenseitigkeit. Wir verzichten gemeinsam, wir planen gemeinsam!
Wir wundern uns manchmal, wenn wir andere Paare beobachten, wie sie fast mit dem Rechner daran gehen dem Partner aufzulisten wieviele Freistunden sie hatten, oder wie oft sie weg waren, und das Selbe für sich einfordern. Ich denke das gibt es bei uns nicht, weil wir gelernt haben auf einander zu Verzichten und deshalb einander frei geben können für wichtige Sachen ausserhalb der Ehe.
Oft kommt mir das Ehepaar Dorothea und Nikolaus von der Flühe in den Sinn:
Sie konnte ihn für seinen Anruf den er von Gott vernahm freigeben, weil sie im Einklang zueinander waren. Sein Anruf war auch ihr Anruf, weil sie ein Ehepaar waren das nicht nur die körperliche Vereinigung lebte, sondern auch die geistige Einheit.
Hier habe ich ein Photo von unserem Klemens der vierte der sechs Kinder,
und eine Geschichte dazu: Jedes Jahr organisiert der Fahrradverein ein Rennen unter den Schülern. Alle seine Freunde hatten ein neues "Rampichino" also ein Mountainbike. Er aber hatte ein altes zusammenklappbares Damenfahrrad, das zwar noch in gutem Zustand war, aber eben im Verhältnis zu den Fahrrädern der Freunde ein alter "Göppel". Wir hatten unsere liebe Mühe ihm zu sagen, dass wir ihm kein neues kaufen wollten, weil er ja eines hatte. Er hat auf diesem "Göppel" gewonnen, alle ausgestochen.
Nicht alles was alt scheint, ist schlecht. Auch wenn das Wort Enthaltsamkeit alt und verbraucht erscheint, ist die Herausforderung, für jede oder jeden der sie annimmt jedesmal neu. Jeder muss selber in die Pedalen steigen und sich abmühen, dass er es schafft. Auch die Ehe, immer mehr als überholte Lebensform verschrien, gelingt nur, wenn wir uns täglich neu anstrengen uns zu verstehen, uns gut zu wollen. Auch hier ist für jedes Ehepaar die Herausforderung immer wieder neu, bei jedem Paar verschieden, keines ist gleich wie das andere, also nie alt!
Um das zu üben, gibt es die enthaltsamen Tage!
(Bleibt die Frage noch offen, wie spreche ich mit den Jungen, wenn sie im Besitz der Kenntnisse der Rötzer Methode sind und nicht verstehen, warum sie warten sollen bis zur Ehe und nicht nur bis zu den unfruchtbaren Tagen!! Aber das nehmen wir das nächste Mal dran!)
Zusammenfassend kann ich Ihnen sagen:
Der Einklang, die Zufriedenheit und Ausgeglichenheit die ich für mich, oder bei mir selber erlebe, die von mir aus gesehen die Harmonie von Körper und Geist bedeutet, weil wir beides gleichsam ausgewogen pflegen, empfinde ich genauso für unsere Zweierbeziehung, als Ehepaar.
Es kommt glaube ich darauf an, wie hoch der Anspruch an das Glücksgefühl ist. Es gibt Paare die wollen zusammen Tiefe erleben im gemeinsamen Glück. Das heisst nicht, dass andere nicht auch glücklich sind. Aber schon die hl. Theresa von Avila sagte: Im Himmel werden alle glücklich sein, trotzdem wird es solche geben die glücklicher sind als Andere.
Enthaltsamkeit, die eigentlich gewöhnlich als Verlust von etwas dem Menschen Wichtigen bedeutet, enthaltet plötzlich viel Wertvolles, es enthält die gesamte Liebe und Glück zu zweit.
Folie:
En(d)t
lich halten es Mann und Frau zusammen aus, bis in die Ewigkeit!Ent - halt - sam - keit