Sexualität - eine Herausforderung!

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1. Teil: Einführung

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Sexualität –

eine Herausforderung

 

von Käthy von Däniken und Dr. med. Claudine Schmidt

 

Vortrag anlässlich der Tagung:

"Das Leben wagen, weil Gott es mit uns lebt"

20. Oktober 2001

 

Bildungszentrum Schönstatt Quarten

Inhalt:

Einführung

Sexualität- eine Herausforderung!

Bedeutung der Sexualität während des gesamten Lebens

Vorpubertät und Pubertät

Ganzheitliche integrierte Sexualität – eine lebenslange Herausforderung!

Das Ehesakrament

Quellen

 

 

 

Einführung

 

Liebe Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmer,

Wir schützen was wir schätzen. Wir haben Einsatz für etwas, das uns wertvoll ist. Wir verteidigen etwas, was wir lieben.

"Denn ich liebe, was ich mir vertraut gemacht habe", wie es in "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint – Exupéry heisst.

Sexualität - eine Herausforderung!

Wo können wir uns den Platz der Sexualität beim Erwachsenen, christlichen Menschen vorstellen? Was ist ihre Bedeutung? Können wir der Sexualität gerecht werden, wenn wir sie isoliert betrachten?

Die Sexualität ist ein Teilbereich des Ganzen, mit welchem der Jugendliche umgehen lernen muss und es ist ein Trieb, der den erwachsenen Menschen das ganze weitere Leben begleitet.

Die Sexualität kann zu etwas Kostbaren werden in der Beziehung zum Mitmenschen, zum Ehepartner, zu Gott und im Hinblick auf die Nachkommenschaft. Mit der Sexualität umgehen, das setzt Kenntnis um das Geschehen voraus, das bedingt Bescheidwissen um die Zusammenhänge in Körper, Geist und Seele.

Liebe Damen und Herren, lassen Sie uns zu diesem Thema in den nächsten Dreiviertelstunden unsere Gedanken entwickeln.

Dazu wollen wir den Menschen besser kennen lernen. Wir wollen dies in verschiedenen Schritten tun:

Am Ende wollen wir sagen können:

Zuerst wollen wir die zwei angedeuteten Modelle erklären, auf die wir uns immer wieder beziehen werden.

 

Skizze 1 Die erste Abbildung:

© by Käthy von Däniken und Dr. med. Claudine Schmidt

© by Käthy von Däniken und Dr. med. Claudine Schmidt

Hier sehen sie die Entwicklung der ganzheitlichen Sexualität oder wahren Liebe während des Lebens. Entscheidend ist dabei der Kurvenverlauf und nicht das Verhältnis der einzelnen Bereiche zueinander. Dieses Verhältnis, das heisst welche Art von Liebe vorwiegt, ist bei jedem Individuum und in den einzelnen Lebensabschnitten verschieden.

Wir sehen die körperliche Sexualität, Sexualität im engeren Sinne, schraffiert. Bei Pater Kentenich sexus genannt.

Im Folgenden beziehen wir uns auf die Begriffe, die Pater Kentenich benützt hat in seinen Gesprächen mit Ehepaaren in Amerika über den ehelichen Akt als Ausdruck der personalen Würde der beiden Partner. Hier nennt er vier verschiedene Arten von Liebe, die den ehelichen Akt umgeben.

In der Skizze finden wir oberhalb des Schraffierten, der körperlichen Liebe, die ergänzenden geistig-seelischen Bereiche. Dazu gehört eros, die anziehende Liebe oder Liebreiz genannt, amor, die geistige Liebe und caritas oder agape, die übernatürliche Liebe.

Die Summe der verschiedenen Formen der Liebe, falls sich die Person harmonisch entwickeln kann, nimmt das ganze Leben zu.

Dieses Ganze, ist mehr als nur das Zusammensetzen der einzelnen Teile. Wie im Kreis angeordnete Blätter nicht nur ein Haufen Blätter, sondern eine Blume sind, oder wie ordentlich ausgerichtete Holzbalken nicht nur ein Holzhaufen, sondern eine Blockhütte sind, so kann das entstehende Ganze in der Skizze als Liebesfähigkeit bezeichnet werden. Die abnehmenden Bereiche der körperlichen Sexualität können geistig –seelisch kompensiert werden.

Man sieht unter anderem aus dieser Skizze, dass die körperliche Sexualität nicht das Lebensziel an sich ist. Vielmehr kann der Körper nach der Erlangung seiner Reife Anstoss geben, dass sich der Geist durch verschiedene Krisen (z.B. Krankheit.) weiter entwickeln kann. Der Geist wird fruchtbar. Auch ein bewusstes Zurücknehmen des Körpers, - der periodischen Enthaltsamkeit bei den natürlichen Familienplanungsmethoden zum Beispiel-, kann die geistig-seelische Dimension fördern, indem Kreativität in den Liebeserweisen gefragt ist. Dies erfordert natürlich Anstrengung.

Soviel vorerst zur Skizze 1

Skizze 2 Die zweite Abbildung:

 

© by Käthy von Däniken und Dr. med. Claudine Schmidt

© by Käthy von Däniken und Dr. med. Claudine Schmidt

 

Alles zusammen stellt den ganzen Menschen, die Person dar. Der äusserste Kreis ist die Berührungsstelle zur Umwelt, zum Mitmenschen.

Der äusserste Ring ist das Resultat des Zusammenspiels aller innerer Bereiche.

In dieser Abbildung, welche die erwachsene Person darstellen soll, ist die Sexualität der uns interessierende Bereich. Der mittlere Ring symbolisiert die ganzheitliche, harmonisch integrierte Sexualität, mit sexus, eros, amor, und zum Kern gehörend, caritas oder agape. Die Sexualität ist geschützt, intim, verborgen. Natürlich befinden sich noch andere Eigenschaften oder Triebe im Innern, diese sind aber in dieser Skizze nicht dargestellt.

Das runde Zentrum, welches auch die übernatürliche Liebe caritas oder agape einschliesst, ist die Mitte und stellt den Kern des Menschen, das Innerste, die Seele dar. Es besteht eine innere Berührungsstelle, eine Grenze des Ichs, eine freiwillige "Schnittstelle" zu Gott.

Die verschiedenen Ringe sind andauernd in Bewegung. Es läuft ein steter Austausch, von innen nach aussen und umgekehrt. Sie befinden sich in dauernder Wechselwirkung.

Was den Menschen sehr beschäftigt, kann durchscheinen und an der Oberfläche sichtbar werden. Wie zum Beispiel die Freude im Leuchten von Kinderaugen, wie die Liebe im Strahlen in den Gesichtern der Verliebten.

Alle Bereiche zusammen, so unterschiedlich sie auch sein können, lassen auch erkennen, ob die Person eine Frau oder ein Mann ist.

Die Grösse und das Verhältnis der einzelnen Ringe sind von Mensch zu Mensch verschieden und ändern sich in den verschiedenen Lebensaltern. Stehen die einzelnen Bereiche in Harmonie zueinander und zu Gott, sind also die verschiedenen Arten von Liebe nach Pater Kentenich vorhanden, entwickelt sich, vom Zentrum aus, die wahre Liebesfähigkeit:

Eine eigene, geschlossene Persönlichkeit zu sein, welche zugleich für das Du geöffnet ist. Das Du des Partners oder des Mitmenschen als geistige Fruchtbarkeit, aber auch das Du des neuen Lebens, des Kindes, als die körperliche Fruchtbarkeit. Diese Offenheit auf das Du oder Liebesfähigkeit kann die ganze Person durchstrahlen und an der Oberfläche erscheinen. Soweit zu den schematischen Darstellungen. Sie sind Orientierungshilfen und nicht vollständig, sollen aber das Verständnis erleichtern.

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