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Diskutieren ja, - aber bitte möglichst nur in eine bestimmte Richtung!

Tagungsbericht über Embryonenforschung und Embryonenschutz am Ethik-Zentrum der Universität Zürich (28. Sept. 2001)

An der Tagung sollten gemäss der Einladung der Gastgeber vom Ethik-Zentrum der Universität Zürich allgemeine ethische und juristische Fragen zum Status des Embryos sowie die aktuellen Themen der Stammzellforschung und der Präimplantationsdiagnostik diskutiert werden. Das Ergebnis ist sehr ernüchternd. Die Referenten zielten mehrheitlich in eine Richtung hin zur Embryonenforschung. Argumente, die einen umfassenden Embryonenschutz begründen, wurden - sofern überhaupt berücksichtigt - mit fadenscheinigen Argumenten und an den Haaren herbeigezogenen Beispielen abgetan.

Philosophische "Höhenflüge" und verbale Entgleisungen

Schon der erste Referent, Prof. Norbert Hoerster, versuchte auf diese Weise Kant‘s Instrumentalisierungsverbot als nicht haltbar hinzustellen. Kant formulierte den Imperativ: "Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloss als Mittel brauchst." Hoerster brachte den konstruierten Fall, dass er angesichts eines Notfalls ohne weiteres einer Frau, die "gerade ein geiles Telephongespräch mit ihrem Freund führe" das Handy gegen ihren Willen entreissen würde, um den Notarzt zu rufen. Die Frau werde in diesem Fall instrumentalisiert und somit sei das Instrumentalisierungsverbot Kant’s hinfällig. Als weiteres Beispiel erwähnte er einen Passanten, der nach einem Verkehrsunfall zur Blutspende gezwungen werde, weil es die einzige Möglichkeit sei, um das Leben eines Verunfallten zu retten. Auf die Frage, ob nicht jene Personen, die den Notruf bzw. die Blutspende verweigern, selber gegen die Menschenwürde verstossen würden, wich Hoerster aus. Auf kritische Fragen reagierte er sehr gereizt. So beschimpfte er eine Teilnehmerin, welche seine Argumentationsführung auch in anderen Punkten kritisierte, vor dem ganzen Publikum als "primitiver Pöbel". Eine weitere Taktlosigkeit beging Hoerster am Nachmittag: Es sei doch klar, warum die Behindertenverbände die Präimplantationsdiagnostik nicht wollten, weil dann die Verbände mehr Geld bekämen! Die Ergebnisse, die dem Referat Hoersters zu entnehmen waren, lassen sich wie folgt zusammenfassen: Es gebe keine hinreichenden Gründe, dem Embryo die Menschenwürde und das Menschenrecht auf Leben zuzusprechen. Insofern gebe es keine verfassungsrechtlichen Vorgaben für einen Lebensschutz des Embryos. Der Wert des menschlichen Lebens gebiete sicher einen gewissen Lebenschutz des Embryos, dessen Abwägung mit anderen Werten jedoch legitim sei. Sowohl im Fall der ungewollten Schwangerschaft als auch im Fall der Präimplantationsdiagnostik und der Embryonenforschung stehen gemäss Hoerster Werte auf dem Spiel, die Vorrang vor dem Lebensschutz des Embryos verdienen. Wer für Verbote plädiere, der habe die Argumentationslast. Hoerster formulierte wörtlich: "In dubio pro libertate!" (Im Zweifel für die Freiheit!) Zu denken geben sollte, dass im Anschluss an Hoersters Vortrag der Präsident der Schweizerischen Nationalen Ethikkommission Prof. Christoph Rehmann in der Diskussion erklärte, er stimme der Sicht Hoersters voll zu.

Axiom: Der Mensch ist in den Stadien seines Lebens zu achten.

Eine andere Sichtweise vertrat danach Prof. Lars Reuter, der auf die Schwierigkeiten hinwies, wie der Begriff ‘Embryo’ zu definieren sei. Die Definitionen selber spiegelten ein bestimmtes Interesse wieder. Angesichts der Unsicherheiten bezüglich des Status des Embryos zog er sich auf ein Axiom zurück, welches lautet: "Der Mensch ist in den Stadien seines Lebens zu achten." Er widersprach seinem Vorredner und erklärte, die Beweislast liege bei dem, der Leben nutzen wolle und nicht bei dem, der das menschliche Leben schützen will. Reuter forderte, dass die Ethiker ihre Interessen aufzudecken hätten, wenn sie philosophisch und theologisch argumentierten. Bei der gesamtgesellschaftlichen Debatte zum Thema Embryonenschutz dürften religiöse und weltanschauliche Überzeugungen nicht einfach unter den Tisch fallen.

Fehlschlüsse: Ableitung von Ethik aus pragmatischem Recht

Der Vortrag von Prof. Merkel war ein Plädoyer für Embryonen- und Stammzellforschung. Zwar sei nach einem Entscheid des Bundesverfassungsgerichts vom 28.5.1993 der Embryo Träger der Menschenwürde und habe ein Recht auf Leben. Im selben Entscheid werde aber der Staat zur flächendeckenden Organisation von Einrichtungen verpflichtet, damit die Möglichkeit von Abtreibungen in grosser Zahl gesichert seien. Zudem stehe die ärztliche Tätigkeit des Schwangerschaftsabbruchs unter Grundrechtsschutz. Daraus folgerte Merkel, die Abtreibung werde in Deutschland als rechtmässig behandelt. Daher legitimiere auch die geltende Rechtspraxis kein Grundrecht des Embryos auf Leben. In seinen Darlegungen versuchte Merkel vier Argumente, die für einen umfassenden Schutz des Embryos angeführt werden, zu wiederlegen. Dabei handelt es sich um die Spezieszugehörigkeit, das Entwicklungskontinuum, die Potentialität und die (gegebenenfalls personale) Identität. Die Spezieszugehörigkeit tat er als naturalistischen Fehlschluss ab. Embryonen hätten kein subjektives Überlebensinteresse, schliesslich würde keine Klinik der Welt anenzephale Kinder ernähren, sondern sterben lassen. Da diese nichts erleben könnten, sei es auch kein aktives Töten. Auch die Potentialität der Embryonen sei kein Grund für einen Lebensschutz, denn schliesslich würden keine Zwangsimplantationen vorgenommen, womit er einmal mehr bei seiner Argumentation Ethik aus pragmatischem Recht ableitete. In der BRD gebe es 30 bis 40 tiefgefrorene mehrzellige Embryonen und 100'000 im Vorkernstadium. Niemand rege sich darüber auf – nicht einmal die Katholische Kirche (sic!). Auch aus dem Identitätsargument lasse sich wegen der Möglichkeit der Mehrlingsbildung im frühesten Stadium des Embryos kein Grundrecht auf Embryonenschutz ableiten. Am Schluss seines Vortrags gab Merkel seine ethischen Grundsätze zum Besten. Unmoralisch sei, jemand dazu zu zwingen, ein behindertes Kind auszutragen. Die Forschung an embryonalen Stammzellen sei geradezu ein moralisches Gebot von erheblichem Gewicht und eine Schutzpflicht des Embryos sei ungebührlich.

Abtreibungsfalle berührt Grundrechte von Embryonen nicht

Eingangs seines Referates meldete der Jurist Prof. Kurt Seelmann von der Universität Basel gegenüber den von Hoerster genannten Beispielen Zweifel an. Eine Instrumentalisierung der betroffenen Personen sei nicht nachzuweisen, geschweige denn, daraus ein Recht auf eine Instrumentalisierung von Embryonen zu therapeutischen Zwecken abzuleiten. Seelmann wollte zwar aufgrund der Potentialität der Embryonen keine Konsequenzen für einen rechtlichen Schutz ziehen. Wegen der unsicheren Identität des Rechtssubjekts (Möglichkeit spontaner Mehrlingsbildung in den ersten 14 Tagen) erwog er unabhängig von einem subjektiven Recht eine Verpflichtung der anderen auf Grund von Interessen der Gesamtrechtsordnung, im Sinne eines Schutzes vor realen Gefahren oder auch nur der Orientierungssicherheit. Seelmann wehrte sich gegen die sogenannte Abtreibungsfalle. Der Umstand, dass der Staat unter bestimmten Bedingungen (Indikationen oder Fristen"lösungen") Abtreibung straffrei behandle, stehe nicht im Widerspruch zu Grundrechten von frühen Embryonen. Hier werde eine Kategorie verwechselt. Bei der Abtreibung handle es sich um einen defensiven und nicht einen agressiven Notstand. Deshalb könne die Rechtfertigung von Abtreibungen über die Fälle vitaler Indikation hinaus im Prinzip kompatibel sein mit Grundrechten von Embryonen.

 

Folgenloses Unbehagen eines Humangenetikers

Am Nachmittag präsentierte Prof. Hansjakob Müller die Sicht eines Humangenetikers. Er zeigte die kontinuierliche ohne Zäsuren verlaufende Entwicklung des Embryos von der Befruchtung bis zur Organbildung auf. Mit einem Seitenblick auf das Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG), welches den Embryo erst nach der Fusion der Vorkerne als solchen definiert, gab er seinem Unbehagen gegenüber derartigen gesetzlichen Lösungen Ausdruck. In der interdisziplinären Diskussion mit Ethikern, Philosophen, Juristen und Soziologen habe der Genetiker die Komplexität biologischer Vorgänge zu erläutern und deutlich aufzuzeigen, dass es oft nicht einfach möglich sei, dort Schwellen zu definieren, nach denen sich unser moralisches Verhalten richten könne. Leider vermochte er nicht die Konsequenzen daraus zu ziehen, sondern nahm durchaus die ganze Palette qualitätssichernder Methoden von der Präimplantationsdiagnostik (Polkörperchen- und Embryobiopsie) über die pränatale Diagnostik bis hin zur Abtreibung in Kauf. Er kenne Paare, die sich strikte für Embryonenschutz und Abtreibung ausgesprochen hätten, die aber, nachdem beim eigenen ungeborenen Kind eine unheilbare genetisch bedingte Krankheit festgestellt worden sei, den Service seiner Abteilung voll und ganz beansprucht hätten. Mit dieser Bemerkung stempelte er auf unfaire Art und Weise Lebensschützer ab.

Krokodilstränen eines Reproduktionsmediziners

Prof. Hohl von der Frauenklinik in Baden unterstrich zu Beginn, dass er als Arzt täglich mit ethischen Konflikten involviert sei. Die Berufsethik gebiete den Patienten zu nützen und nicht zu schaden. In-vitro-Fertilisation sei ein Eingriff mit Nebenwirkungen, die sich auch psychisch und emotional offenbarten. Hohl präsentierte die Resultate, welche an seiner Frauenklinik mit dem Blastozystentransfer erreicht wurden. Dabei werden mindestens 7 Eizellen befruchtet und in vitro kultiviert. Davon bleiben bis zum 5./6. Tag durchschnittlich 2 Blastozysten übrig, die anderen Embryonen erleiden bei dieser in-vitro-Selektion den Reagenzglastod. Bis vor dem 1. Januar 2001 nahm dies Hohl in Kauf, obwohl dies schon seit 1993 durch die Schweizerische Bundesverfassung (Art. 24novies später Art. 119) verboten war. Auf die in der Diskussion gestellte Frage, weshalb er ganz offensichtlich gegen die Bundesverfassung verstossen habe, wich er aus. Persönlich noch einmal darauf angesprochen erklärte er, er habe sich mit Juristen abgesprochen. Aus der Bundesverfassung allein folge keine Bestrafung. Bei dieser Auslegung unserer Verfassung wundert es denn auch nicht, dass Hohl während seines Vortrages angab, in der Schweiz seien über 1000 Embryonen eingefroren. Er hielt fest, das Fortpflanzungsmedizingesetz würde die Autonomie zu stark einschränken, indem z.B. höchsten drei Embryonen entwickelt, keine eingefroren und auch die Gameten höchsten fünf Jahre aufbewahrt werden dürften. Da nun die Konservierung auf 3 Jahre beschränkt sei, werde er gezwungen, ab 1.1.2004 unter Umständen gegen den Willen der betroffenen Paare menschliches Leben in Form von Embryonen zu vernichten. Das Fortpflanzungsmedizingesetz nötige die betroffenen Ärzte gegen ihr ärztliches Gewissen zu handeln und gegen ihre ureigenste Aufgabe, personales Leben zu bewahren und zu fördern, zu verstossen. Mit diesen Krokodilstränen will Hohl die Nationale Ethik-Kommission und letztlich auch den Gesetzgeber veranlassen, diese "unhaltbare Situation" zu ändern. In der Diskussion wurde Hohl vorgehalten, sein Votum wäre in dieser Form vor der Abstimmung über die FMF-Initiative sehr willkommen gewesen. Es hätte viele Befürworter der IVF abgeschreckt. Sein Appell an die ärztliche Ethik wurde als absolut unglaubwürdig zurückgewiesen.

Diffuse Würde soll Forschung am menschlichen Embryo erlauben

Den Abschluss der Tagung bestritten zwei Mitglieder der Nationalen Ethikkommission (NEK) für den Humanbereich. Der Präsident der NEK, Prof. Christoph Rehmann, konzentrierte sich darauf, wie im öffentlichen Meinungsbild Embryonen wahrgenommen werden. Sein Ansatz, wonach man sich in der Diskussion vermehrt dem Embryo in seiner radikalen Unvergleichbarkeit als Entwicklungsgestalt menschlichen Lebens hinwenden müsse, hörte sich zunächst ganz gut an. Ein Embryo sei nicht Mensch, nicht Stoff, sondern Embryo, unvergleichbar. Das sei für ihn ein Grund, Embryonen eine eigene moralische Würde anzuerkennen. Diese Würde sei nicht die "Menschenwürde" aber doch Etwas und nicht Nichts. Etwa Wachsendes. Rehmann plädierte für eine "Würde" als offeneres ethisches Konzept gegenüber einem "moralischen Status". Dieser diffusen Auffassung von Würde ist es zu verdanken, dass Rehmann keinen Widerspruch zwischen der Gewinnung von embroynalen Stammzellen aus "überzähligen" Embryonen für die Forschung und der gleichzeitigen Anerkennung einer moralischen Würde solcher Embryonen sieht. Er wendet sich gegen einen Import von embryonalen Stammzellen - nicht etwa wegen gravierenden ethischen Bedenken - sondern weil die Herstellung von Zelllinien im eigenen Land besser unter kontrollierten Bedingungen gewährleistet werden könne, als via Tauschhandel unter den Regeln der Marktwirtschaft. Rehmann stellt die Frage – und neigt wohl zu einer bejahenden Antwort – ob die Erzeugung von geklonten Embryonen ethisch anders zu bewertens sei, als die Erzeugung von Embryonen durch Befruchtung.

Zurückhaltung statt klares Nein zur Präimplantationsdiagnostik und Abtreibung nach pränataler Diagnostik

Die Moraltheologin Andrea Arz de Falco, die zugleich Mitglied der NEK und Präsidentin der NEK für den ausserhumanen Bereich ist, sprach über die ethischen Aspekte der Präimplantationsdiagnostik (PID). Zunächst stellte sie die rechtliche Lage bezüglich Bundesverfassung und FMedG dar, welches das Ablösen von Zellen vom Embryo und deren Untersuchung verbietet. Ihre "Zurückhaltung" gegenüber der PID legte sie nicht aufgrund einer ethischen Güterabwägung dar. Ihre Position ist geprägt von der "Neigung einer Position starken Lebensschutzes", von der nicht allzu optimistischen Einschätzung der gesellschaftlichen Tendenzen gegenüber Behinderten und chronisch/Geburts-Kranken und ihren Angehörigen. Andererseits vertritt sie die Überzeugung, dass die Entscheidungsautorität an die Betroffenen, hier insbesondere die Frauen, überantwortet werden muss. Sie ist sich der Normen- und Interessenkonflikte in diesem Spannungsfeld bewusst. Andrea Arz de Falco wollte nicht die ganze Diskussion um den Status des Embryos aufrollen, diese erachtet sie als nicht fundamental für ihre Position in Bezug auf die PID. Sie erklärte kurz, sie halte es für sinnvoll, bereits der Zygote und dem frühen Embryo eine hohe, aber keine absolute Schutzwürdigkeit zuzusprechen, allerdings plädiere sie für eine abgestufte Form der Schutzwürdigkeit und eine damit graduell wachsende moralische Verpflichtung dem sich entwickelnden Menschen gegenüber. Damit geht sie, wie viele andere katholische Moraltheologen ihren eigenen Weg und distanziert sich hier von der Position der Katholischen Kirche.

Da Andrea Arz de Falco im Rahmen der Pränatalen Diagnostik (PND) einen Schwangerschaftsabbruch in Ausnahmefällen unter der Pflicht einer Begründung für möglich weil - nötig- hält, stellte sie die Frage, was noch gegen die PID spricht, was nicht schon gegen die PND gesprochen hat. Zunächst brachte sie das Slippery-Slope oder Dammbruch-Argument ins Spiel, das mit Blick auf die Ausweitung der PND von "Hoch-Risiko-Paaren" bis zur heutigen Diagnose auf Wunsch an Plausibilität gewinnt. Die weiteren Überlegungen waren mehr gesellschaftspolitisch-ethischer Natur. Die zunehmende Tendenz hin zur pränatalen Selektion sollte in einer umfassenden gesellschaftlichen Solidarität abgefangen werden. Mit dem Verbot der PID werde zum Ausdruck gebracht: es darf oder muss nicht alles getan werden, damit keine behinderten oder kranken Kinder zu Welt kommen. Dies sei ein klares Signal für eine wünschenswerte Zurückhaltung in der Selektion. Im Gegensatz zur PND, wo theoretisch ein Interessenkonflikt zwischen dem Lebensrecht des Embryos oder des Fötus und dem Interesse der Frau an einer intakten psychischen Gesundheit vorliege, handelt es sich bei der PID nicht um einen Interessenkonflikt. Hier geht es um den Lebensentwurf der Frau und dazu die Erzeugung von Embryonen zu Untersuchungszwecken; der existentielle Bezug zwischen der Frau und dem Fötus, der die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch für Körper und Seele so schmerzhaft mache und in der auch immer der Entscheid für das Leben eine Chance habe, entfalle. Die Frage, ob ihr die Tatsache, dass gemäss einer Studie 96.4% aller ungeborenen Kinder, nach invasiver PND und nach Befund eines genetischen Fehlers oder einer Krankheit abgetrieben werden, als Ethikerin nicht grosses Unbehagen bereite, bejahte sie. Weder die Moraltheologin noch der Humangenetiker konnten befriedigend erklären, weshalb es zu diesem verheerenden Automatismus kommt.

Fazit einiger Mitglieder der Nationalen Ethikkommission

Eigentlich war im Tagungsprogramm eine stündige Podiumsdiskussion vorgesehen. Angesichts des Entscheides des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), den Import von Stammzellen zu bewilligen, wurde diese kurzfristig aus dem Programm gestrichen. Dafür durften die Tagungsteilnehmer von drei Mitgleidern der NEK deren Eindrücke über die Tagung und deren Meinung zum überraschenden Stammzellenentscheid des SNF anhören, ohne darüber diskutieren zu können. Die Philosophin Carola Meier zog einen Unterschied zum Embryo im Mutterschoss und den "Zellklümpchen in der Petrischale", welche nicht dem Wesen des Embryos entsprechen würden. Immerhin gestand sie ein, dass auch die Potentialität der Embryonen relevant sei und drückte ihre Besorgnis über die "Salamitaktik der Forschung" aus. Die Ärztin Margrit Leuthold von der SAMW zeigte sich über den Entscheid des SNF, das "Produkt" embryonale Stammzellen zu importieren, nicht erstaunt. Sie forderte, die Problematik des Embryonenschutzes streng von der Abtreibungsdebatte zu trennen. Die Philosophin und Ärztin Judith Pók, die am Universitätsspital in Zürich leitende Oberärztin für Frauenheilkunde ist, forderte eine Diskussion auf gesellschaftlicher Ebene. Als Resumée der Tagung formulierte sie: "Es hat mich getröstet, dass man nicht weiss, was Leben ist." Natürlich, so müsste man entgegnen, wissen wir nicht alles über das Geheimnis des Lebens, aber wir wissen genug, um einen strikten Embryonenschutz zu fordern. An diesem Wissen wurde an dieser Tagung vorbeireferiert. Die Organisatoren haben den Eindruck hinterlassen durch die Auswahl der Referenten und die Streichung der Podiumsdiskussion alles getan zu haben, um ja keine Ehrfurcht vor dem Leben aufkommen zu lassen.

lic. theol. Roland Graf

Link: 

"Diskutiert nur - aber bitte erst, nachdem wir schon fleissig geforscht haben":
Der Schweizerischer Nationalfond (SNF) bewilligt Import von embryonalen Stammzellen (09.10.01)  

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