Nachlässigkeit in Fruchtbarkeitsklinik bringt Hunderten von Embryonen den Tod
17./18.12.2002 Israel
In einer israelischen Fruchtbarkeitsklinik sind laut Ha'aretz versehentlich tiefgefrorene Embryonen aufgetaut worden. Der Labordirektor habe offenbar vergessen, den inneren Deckel eines Kühlcontainers zu schliessen, in dem die befruchteten Eizellen von 120 Paaren aufbewahrt worden seien. Dadurch sei die Temperatur von -196 °C auf Raumtemperatur angestiegen, weil der flüssige Stickstoff verdampfte. Dies führte zum Absterben der gemäss der Nachrichtenagentur dpa insgesamt 500 befruchteten Eizellen.
Die betroffenen Paare sind über den Vorfall informiert worden. Lediglich ein Viertel der an der Fruchtbarkeitsklinik behandelten Frauen verfügen noch über Embryonen in anderen Einrichtungen der Klinik. Es wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, die den Fall untersucht. Der Gesundheitsminister erklärte, er werde die Untersuchungsergebnisse abwarten. Sein Kommentar lautete: "Es ist eine Tragödie."
Wie sich unterdessen herausstellte, verfügen die meisten Kliniken in Israel über kein System, welches das Personal bei einem kritischen Stand des Kühlmittels warnen würde. Solche Alarmsysteme, die einfach zu installieren sind, wären schon seit über zehn Jahren erhältlich. Vor einem Jahr gab das Gesundheitsministerium Richtlinien heraus, die zwar den Kauf von Warnanlagen forderte, aber als Alternative wöchentlich die ein- oder zweimalige Kontrolle des Kühlmittelstandes vorsah. Der Fehler wurde anlässlich einer solchen Routinekontrolle entdeckt, doch war der Stickstoff inzwischen längst verdampft. Das Beispiel zeigt auf äusserst tragische Weise, dass die unfruchtbaren Paare mit ihrer Zustimmung zur In-vitro-Fertilisation zugleich das Schicksal des neuen gezeugten Lebens in fremde Hände legen.
Links:
Haim Shadmi, 120 fertilized eggs destroyed in error. Ha'aretz 17. Dez. (2002)
Haim Shadmi, Hospitals lack alarms to warn of thawing eggs. Ha'aretz 18. Dez. (2002)
vgl. dpa, Versehentliche Zerstörung von Embryonen in Israel. NZZ 17. Dez. (2002) 52.
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