STOP AIDS Kampagne beleidigt Katholiken
Erste Reaktion des BAG: Überrascht und uneinsichtig
14/19.04.2003
Das Bundesamt für Gesundheit und die Aids-Hilfe Schweiz werden ab dem 22. April ihre diesjährige Stop-Aids-Kampagne lancieren. Mit 7000 Plakaten in der ganzen Schweiz soll gegen die steigende Zahl von Neuinfektionen angekämpft werden. Die über 100 Slogans auf stechend gelbem Hintergrund richten sich teilweise spezifisch an bestimmte Personengruppen der Bevölkerung, wie Lehrer, Eltern oder Pfarrer. Die Plakate sollen dem Inhalt entsprechend platziert werden. So wird der Slogan, der sich an die Pfarrer richtet, in unmittelbarer Nähe von Kirchen zu finden sein. Die Schweizer Bischöfe haben mit Nachdruck die Rücknahme der in ihren Augen die Katholiken beleidigenden Plakate gefordert.
Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen stieg gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) im vergangenen Jahr um 25,5 Prozent auf 792 Fälle. 2001 hatte es erstmals seit 1992 wieder eine Zunahme der Neuinfektionen (+7,7 Prozent) gegeben. Die Slogans der Kampagne suggerieren z.T. für Kondome eine 100%ige Sicherheit, die auch nach neuesten Erkenntnisse nicht gegeben ist. Wenn 100 Paare ein Jahr lang mit Kondomen verkehren, ist mit 3 bis 14 Schwangerschaften zu rechnen (Pearl Index 3-14). Da die AIDS-Viren auch in unfruchtbaren Zeiten übertragen werden können, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit um Faktor Sieben (21 bis zu 100%), wenn jeweils ein Partner mit AIDS infiziert ist.
Die Pressemitteilung der SBK im Wortlaut:
"Die Schweizer Bischöfe empört !
Die Schweizer Bischöfe sind empört über
die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) lancierte Kampagne STOP AIDS 2003. Mit
den Slogans „Schütze deinen Nächsten wie dich selbst… benütze ein Präservativ!“
oder „Grüss Gott, Herr Pfarrer, wenn Rom es schon nicht gerne hört, dass Sie
über Verhütung sprechen, reden Sie doch über Präservative“, diesen und anderen
Beispielen, verwenden und missbrauchen die Bundesbehörden den Sinn wichtiger
Werte des christlichen Glaubens zu ihren Gunsten und machen die Haltung der
katholischen Kirche lächerlich. Die SBK ist sich ganz klar bewusst, dass der
Kampf gegen Aids extrem wichtig ist und dass die Kampagnen aufrüttelnd sein
müssen, um zu wirken. Dazu aber die Religion zu gebrauchen, um diese zu
verspotten, ist zutiefst schockierend. Statt gegen diese Geissel gemeinsam zu
kämpfen – gewiss jeder auf seine Art –, sucht der Bund die Konfrontation. Das
ist untragbar! Diese Kampagne zudem mitten in der Karwoche vorzustellen, zeugt
von Verbissenheit oder einer Unkenntnis des wichtigsten Festes der Christen, das
auch gesellschaftlich anerkannt ist!
Die SBK verlangt mit Nachdruck die Rücknahme der in ihren Augen die Katholiken
beleidigenden Plakate und empfiehlt, dass in Zukunft solche Kampagnen eher in
gegenseitiger Absprache realisiert werden als in der Missachtung des Anderen. Da
wir ja in einer Demokratie leben und also um jeden Preis das Recht auf freie
Meinungsäusserung respektieren müssen, erfordert genau diese Freiheit je
grösseren Respekt vor den Überzeugungen des Nächsten! Genau dieser Respekt vor
dem Nächsten ist ein erster notwendiger Schritt in der Prävention gegen Aids…"
BAG ist überrascht und uneinsichtig
Eine erste Stellungnahme des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ist keine Einsicht zu entnehmen. Roger Staub, Leiter Sektion AIDS beim BAG erklärte gegenüber Radio kath.ch (16. April 2003), er sei überrascht. Sie hätten weder der Kirche noch dem Glauben nahetreten wollen. Das BAG sieht keinen Grund, die kritisierten Plakate nicht aufzuhängen, denn mit der Kampagne sei man niemandem so nahegetreten, dass sich irgendwelche Reaktionen aufdrängten.
Literaturnachweis:
Am Marie Stopes Centrum in Leeds Grossbritannien sind während 5 Jahren insgesamt 4666 Frauen, die eine Abtreibung vornehmen liessen, nachträglich über den Grund ihrer Schwangerschaft befragt worden. 46.6% der Frauen führten ihre ungewollte Schwangerschaft auf ein Versagen eines Kondoms zurück. (Br J Family Planning 22 (1996) 6-8.)
Schreiben Sie an die zuständigen Stellen und deponieren Sie Ihre Ablehnung dieser Kampagne!
Bundesamt für Gesundheit
Sektion Kampagnen und Marketing
CH-3003 Bern
Tel: 031 323 87 79; Fax: 031 322 24 54; E-Mail: kampagnen@bag.admin.chRoger Staub, Leiter Sektion Aids BAG, 031 323 87 29
Sylvie Leuthold, Sektion Kampagnen und Marketing BAG, 031 323 87 69; E-Mail: sylvie.leuthold@bag.admin.ch
(Achtung! Gemäss Autoresponder ist Frau Leuthold bis zum 28. April nicht im Büro erreichbar - nach dem Motto Kampagne lancieren, und erst zurückkommen, wenn längst alles angerichtet ist! So wird es wohl vernüftiger sein, sich direkt an die Direktion des Bundesamtes für Gesundheit zu wenden.)
EDI Eidgenössisches Departement des Innern
(Bundespräsident Pascal Couchepin)
Informationsdienst
Inselgasse, 3003 Bern
Tel: 031 322 21 11; Fax: 031 322 95 07; E-Mail: info@gs-edi.admin.chAids-Hilfe Schweiz
Postfach 1118
Tel: 01 447 11 11; Fax: 01 447 11 12; E-Mail: aids@aids.chRuth Rutman, Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Schweiz, 079 225 24 51
Aids Info Docu
Speichergasse 29
Postfach 5064
Tel: 031 312 12 66; Fax: 031 311 64 14; E-Mail: info@aid.chTextvorschlag:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre neueste Werbekampagne mit Slogans wie "Schütze deinen Nächsten wie dich selbst... benütze ein Präservativ!" und "Grüss Gott, Herr Pfarrer, wenn Rom es schon nicht gerne hört, dass Sie über Verhütung sprechen, reden Sie doch über Präservative" finde ich völlig deplaziert! Eine derartige Kampagne löst verletzende Gefühle bei uns Katholiken aus
Zudem täuscht der Slogan "Trost für Liebeskranke, Präservative halten, was sie versprechen, auch wenn die Träume schon längst geplatzt sind." eine Sicherheit der Kondome vor, die überhaupt nicht vorhanden ist. Dieser Slogan ist nicht nur irreführend, sondern verantwortungslos.
Ich fordere Sie auf, umgehend die entsprechenden Plakate und die Internetwerbung zurückzuziehen.
Es grüsst Sie ...
| Einige Plakate der deplazierten STOP-AIDS-Kampagne. | Die Antwort von HLI-Schweiz auf einige der über 117 Plakate |
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Nur das markierte
Plakat wurde bisher zurückgezogen. |
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Links:
Pressemitteilung der Schweizer Bischöfe (16.4.2003)Katholische NetZeitung kath.net: Anti-AIDS-Kampagne provoziert Katholiken
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