Britische Kliniken entnehmen 40 000 Organe ohne Genehmigung

18. Jan. 2000

LONDON. In britischen Krankenhäusern sind verstorbenen Patienten 40 000 Organe ohne das Wissen von Angehörigen entnommen und aufbewahrt worden. Die Regierung unternehme alles, um die Angelegenheit wieder in Ordnung zu bringen, sagte der Gesundheitsberater der britischen Regierung, Liam Donaldson, am 11. Januar beim nationalen Gipfel zur Organentnahme in London. Einige Praktiken der Organentnahme seien vom nationalen Gesundheitsdienst beschlossen, aber nicht mit den Patienten abgestimmt worden, sagte Donaldson vor Ärzten, Familienangehörigen und Juristen. Die Regierung sei zu einer Gesetzesänderung entschlossen, um den Praktiken der Krankenhäuser ein Ende zu setzen. Einen ähnlichen Organ-Skandal in britischen Krankenhäusern hatte es bereits 1998 gegeben. Damals war in den Kinderkliniken von Bristol und Liverpool tausenden Kindern ohne Zustimmung der Angehörigen Organe entnommen worden. Die Regierung leitete daraufhin Ermittlungen ein, deren Ergebnisse in den kommenden Wochen veröffentlicht werden sollen. Die Eltern der Kinder waren sich offenbar nicht bewusst, dass sie mit ihrer Unterschrift zur Autopsie ihrer toten Kinder den Medizinern erlaubten, Organe zu entnehmen und aufzubewahren. Die Entnahme der Organe soll laut Donaldson auch künftig nicht verboten werden. Allerdings sollten die Familien vorab besser informiert werden. /afp 

Quelle: Deutsches Ärzteblatt vom 16.1.2000

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