Bischof Brunner verlangt von Politikern Einsatz für die Kultur des Lebens
8. Feb. 2001
Beim Neujahrsempfang vor dem Hohen Staatsrat in Sitten hat Bischof Norbert Brunner klar und deutlich Einsatz für die Kultur des Lebens gefordert. Mit Bezug auf die Naturkatastrophen, die im vergangenen Jahr im Wallis Opfer gefordert und grosse Schäden angerichtet hat, hielt der Bischof fest:
"Lebensmut und Lebenswille der direkt betroffenen Personen und Familien, sowie aller Helfer haben mir grosse Achtung und
Ehrfurcht vor diesen Menschen abverlangt. Sie sind für mich aber auch zur Frage geworden: Wie können diese Lebenskraft,
dieses Ja zum Leben auch in schlimmer Zeit in einer Gesellschaft bestehen, die menschliches Leben in seinen verschiedenen
Formen und Entwicklungsstadien oft missachtet, vergewaltigt und sogar tötet.
Wir haben in den letzten Jahren immer wieder von der Kultur des Todes gesprochen, die in unserer modernen Gesellschaft
herrscht. Sie wird uns auch in Zukunft bedrängen, vielleicht noch mehr als bisher.
Es muss darum unsere erste und nobelste Aufgabe sein, in allen unseren Unternehmungen eine Kultur des Lebens zu schaffen.
Unsere Bestrebungen müssen zum Ziele haben, dass das menschliche Leben - wie überhaupt die ganze Schöpfung - als
Geschenk Gottes angesehen werden.
Die Enzyklika des Papstes "Das Evangelium des Lebens" von 1995 hat nichts von ihrer bedrängenden, aber auch
zuversichtlichen Aktualität verloren. Er beschreibt das Geschenk des menschlichen Lebens als unsere "tiefe Verbindung mit
dem lebendigen und uns nahen Gott". Darum ist das Leben "heilig und unantastbar". "Die Achtung vor dem Leben erfordert,
dass Wissenschaft und Technik stets auf den Menschen und seine ganzheitliche Entwicklung hingeordnet werden. Die ganze
Gesellschaft muss die Würde jeder menschlichen Person in jedem Augenblick und in jeder Lage ihres Leben achten,
verteidigen und fördern." (E.V. Nr. 81)
Nur wenn uns das wirklich gelingt, wird sich jeder andere Einsatz für eine bessere und schönere Welt, für eine heile Welt,
wirklich lohnen. Ich möchte darum in Abwandlung eines bekannten Wortes fast sagen: "Unsere Kultur des beginnenden dritten
Jahrtausends wird eine Kultur des Lebens sein - oder sie wird überhaupt nicht mehr sein." Und dann hat sich auch die
grossartige Solidarität für das Leben nach den Katastrophen "gelohnt", weil es nicht nur ein Strohfeuer war, das bald wieder
erlischt, sondern die Zündung eines Dauerbrenners menschlichen Gelingens."
Link: Rede im Wortlaut, 9. Januar 2001
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