30 Kinder mit je zwei genetischen Müttern und einem Vater gezeugt
11. Mai 2001
New York, In der Zeitschrift 'Human Reproduction' haben Forscher um Jacques Cohen Ergebnisse einer Unfruchtbarkeitsbehandlung publiziert, die sehr umstritten sind. Sie wurden am Institut für Reproduktionsmedizin und -wissenschaft der St.-Barnabas- Klinik in Livingston im amerikanischen Gliedstaat New Jersey durchgeführt.
Die Mediziner hatten bei Eizellen von unfruchtbaren Frauen einen Teil des Eizellplasmas von Spenderinnen ersetzt bzw. ergänzt. Danach wurden sie mit dem Samen des Mannes befruchtet. Die geborenen Babys haben nun Gene von drei Menschen. Neben dem Erbgut der beiden Eltern enthält es einen kleinen Erbanteil, der von der Spenderin des Eizellplasmas stammt. Dies wiesen die Forscher im Blut der Kinder nach.
Solche Eingriffe in die Keimbahn sind in anderen Ländern, wie der Schweiz unzulässig. Jacques Cohen hatte seine Experimente mit privaten Mitteln finanziert, so dass er nach eigener Auffassung nicht gegen staatliche Bestimmungen der USA verstiess. Forscher aus Europe und den USA kritisierten das Verfahren Cohens, da die Folgen dieses Verfahren nicht absehbar seien.
Kommentar: Der Einspruch der Kollegen von Jacques Cohen kommt reichlich spät. Er hatte nämlich schon 1997 in der Fachzeitschrift 'The Lancet' die Geburt des ersten Kindes nach dem beschriebenen Verfahren gemeldet. Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, wie in der Reproduktionsmedizin ohne Rücksicht auf kommende Generationen Verfahren angewendet werden, deren Risiken nicht abzuschätzen sind. Wie immer, wenn die ersten Kinder in die Kameras lächeln und der Bann gebrochen ist, werden andere Forscher den "Pionieren" folgen. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden sich die Kinder eines Tages fragen: "Hast Du einen normalen Stammbaum?" In 50 Jahren werden die Ahnenforscher wohl nur mit Rückgriff auf ausgeklügelte Methoden herausfinden, wer eigentlich von wem abstammt und wer wieviel zum Erbgut eines Sprösslings beigetragen hat. Wenn wir sicher wären, dass dies die einzige Folge unserer Reproduktionsmedizin ist, ginge es ja noch - doch wir wissen es schlicht und einfach (noch) nicht.
Literatur:
Ferriman A., First Cases of human germline genetic modification announced. British Medical Journal 322 (2001) 1144.
Jason A. Barritt, Carol A. Brenner, Henry E. Malter, and Jacques Cohen, Mitochondria in human offspring derived from ooplasmic transplantation: Brief communication. Human Reproduction 16 (2001) 513-516.
Brenner C.A., Barritt J.A., Willadsen S., Mitochondrial DNA Heteroplasmy After Human Ooplasmic Transplantation: Fertil Steril 74 (2000) 573-578. 513-516.
Vgl. Cohen J., Scott R., Schimmel T., Levron J., Willadsen S., Birth of Infant after Transfer of Anucleate Donor Oocyte Cytoplasm into Recipient Eggs: The Lancet 350, 19. July (1997) 186-187.
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