Aufruf zum totalen Krieg gegen Menschenrechte und Menschenwürde? James D. Watson's neue Entgleisung

10. Juni 2001

Was die Weltwoche in einem Interview mit James D. Watson, Entdecker der DNA und Nobelpreisträger, der aktuellen Ausgabe (Nr. 23) abgedruckt hat, ist haarsträubend. Watson hat bereits in einem früheren Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter dem Titel 'Die Ethik des Genoms' auf erschreckende Weise für die Tötung behinderten ungeborenen Lebens plädiert. Das Interview der Weltwoche ist noch provozierender und schockierender. Unter anderem sagt dieser Naturwissenschaftler:

"Ich nenne ein Leben sinnvoll, von dem man eine Zukunft erwarten kann. ... Hitler sagte, tötet alle, die diese Chance nicht besitzen. Ich meine, sie sollten gar nicht erst geboren werden." (James D. Watson)

Dieser Satz allein belegt genügend, wessen Geistes Kind Watson ist. Zudem relativiert er die Menschenrechte und macht religiös motivierte Liebe zu Behinderten lächerlich. Das Interview zeigt deutlich, dass eine Ethik, welche allein auf den Genen beruht, rücksichtslos, brutal und eugenisch ist. Watson's damalige wissenschafltiche Leistung zur Entdeckung der DNA verdient zweifellos Respekt und Achtung. Was er als vielbeachteter Nobelpreisträger in letzter Zeit von sich gibt, hat mit seiner früheren Leistung nichts zu tun - weder wissenschafltich noch intellektuell. Die Frage stellt sich, ob in diesem Fall gegen den Rassismusartikel (Art 261 StGB) verstossen wurde - auch von den verantwortlichen Redaktoren, die dieses Interview abgedruckt haben.

Links:

Interview von Ernst Peter Fischer und Lars Reichardt mit James D. Watson: «Diese Heuchler, denen das Leben heilig ist». Die Weltwoche Nr. 23 vom 7.6.2001.

Vgl. Watson, Die Ethik des Genoms: FAZ 26. Sept (2000) 55.

Vgl. Rau, Bundespräsident Rau widerspricht dem F.A.Z.-Beitrag des Nobelpreisträgers James Watson: FAZ 21. Okt. (2000) 43.

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