Mensch-Tier-Transplantationen von katholischer Kirche bedingt akzeptiert
Verfahren könnte helfen, lebensbedrohende Knappheit an Spenderorganen zu beheben
2. Dez. 2001
Rom, den 24. November 2001 (ZENIT.org).- Akzeptiert die Kirche die Verpflanzung von tierischen Organen an Menschen? Am 26. September antwortete die Päpstliche Akademie für das Leben mit einem eingeschränkten “ja”.
Die Akademie veröffentlichte eine Studie über einige wissenschaftliche und ethische Überlegungen im Hinblick auf die Möglichkeit von Xenotransplantationen (Fremdtransplantationen) -- ein Begriff, den man benutzt, wenn man über Verpflanzungen zwischen Spezies spricht.
Länger werdende Wartelisten für Organverpflanzungen üben ständig wachsenden Druck auf Gesundheitsbehörden aus, Lösungen zu finden. Bisher hatte die Werbung für Organspenden nur begrenzten Erfolg.
Die Xenotransplantation steckt noch immer in den Kinderschuhen. In den Vereinigten Staaten überlebte vor ein paar Jahren ein mit einem missgebildeten Herzen geborenes Kind für eine kurze Zeit mit einem Pavianherzen. An der Universität von Pittsburgh erhielten einige Männer Lebern, die Pavianen entnommen worden waren. Diese Patienten lebten damit einige Wochen lang.
Es sind erhebliche medizinische Probleme zu überwinden, besonders die Abstoßung durch das Immunsystem und die Gefahr von Fremdspeziesinfektionen. Genetikwissenschaftler versuchen, das erste Problem zu umgehen, indem sie Schweine genetisch modifizieren. Auf diese Weise werden die von ihnen genommenen Organe einige menschliche Gene enthalten.
Außerdem besteht das Problem von Infektionen. Die Meinungen, ob die Verpflanzung tierischer Organe auf Menschen zum Ausbruch eines tierischen Virus in der menschlichen Spezies führen könnte, differieren.
Bald nachdem das Vatikandokument freigegeben wurde, veröffentlichte die “New York Times" am 2. Oktober eine Debatte über die Möglichkeit von Organverpflanzungen von Schweinen auf Menschen.
Jonathan S. Allan von der Southwest-Foundation for Biomedical Research (Südweststiftung für biomedizinische Forschung) erklärte, dass in einigen Versuchen tierische Zellen benutzt werden. Forscher spritzen fötale Schweinezellen in die Gehirne von Parkinsonkranken, Huntingtonkranken, Epileptikern und Schlaganfallpatienten ein.
Allan, der dagegen ist, dass weiter Fremdspeziesverpflanzungen durchgeführt werden, wies darauf hin, dass einige Wissenschaftler angesichts fehlender Informationen darüber, ob Viren von Schweinen auf Menschen übertragen werden können, bei den Versuchen Bedenken haben. Einige Forscher glauben, dass die AIDS-Epidemie begann, als der HIV-Virus von einem Affen auf einen Menschen übersprang, daher existiere die Möglichkeit für Probleme.
Als eine Alternative schlägt Allan vor, bessere künstliche Organe zu entwickeln oder nach Wegen zu suchen, unsere eigenen Organe zu regenerieren.
Die andere Seite des Problems beleuchtete Dr. David K. Cooper, Immunologe am Krankenhaus für Allgemeinmedizin von Massachusetts. Er wies auf die schwer wiegende Knappheit an Spenderorganen hin. Etwa 50.000 der 70.000 Personen in den Vereinigten Staaten, die auf eine Verpflanzung warteten, würden in diesem Jahr keine bekommen.
Außerdem, fuhr Cooper fort, werde die Qualität von Schweine-Spenderorganen sicherlich besser sein als die von menschlichen Leichen. “Gehirnverletzung und Gehirntod können Organe, besonders das Herz, stressen," erklärte er.
Bezüglich der Frage von Infektionen ist Cooper optimistisch. Er meint, dass die Gefahren vermieden werden können.
Ethische Implikationen
Der erste Teil des von der Päpstlichen Akademie für das Leben veröffentlichten Dokumentes stellt eine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Aspekte von Fremdtransplantationen dar. Der zweite Teil befasst sich mit der Untersuchung einiger anthropologischer und ethischer Implikationen.
Drei Fragen werden am Anfang des zweiten Abschnittes gestellt: Darf der Mensch durch Fremdtransplantationen in die Schöpfung eingreifen? Welche ethischen Implikationen ergeben sich bei dieser Art der Verwendung von Tieren? Und: Wie wirkt sich möglicherweise eine Transplantation auf die menschliche Identität derer aus, denen tierische Organe eingepflanzt werden?
Zu der ersten Frage beziehen sich die Verfasser auf den Schöpfungsbericht im Buch Genesis, in dem eine klare Hierarchie in der Schöpfung dargestellt sei: der Mensch stehe an der Spitze aller geschaffenen Wesen.
Dies gebe zwar den Menschen nicht das Recht, andere Geschöpfe nach Laune zu missbrauchen. Es bedeute jedoch, dass es eine natürliche Ordnung gebe, in der es uns erlaubt sei, von dem, was dazu geschaffen sei, uns in unserem Leben zu helfen, Gebrauch zu machen, erklärt die Akademie.
Zu der zweiten Frage erkennt das Dokument an, dass Tiere einen Wert haben, den wir anerkennen und respektieren sollten. Es hält aber gleichzeitig fest, dass Gott sie in unseren Dienst gestellt hat. Tiere als Organquelle zu benutzen, übertrete die Schöpfungsordnung nicht, stellt die Akademie fest. Es sei im Gegenteil eine sinnvolle Anwendung der Macht, die Gott uns über die Schöpfung gegeben habe.
Das Dokument weist darauf hin, dass einige Menschen heute meinen, Menschen und Tiere besäßen den gleichen Grad an Würde. Die Verwendung von Tieren, so argumentieren sie, errichte einen Speziesismus, eine Art von Tyrannei der einen Gattung über eine andere.
Hierzu erklärt die Akademie, dass der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen sei, und dass deswegen die menschliche Person eine den anderen Geschöpfen überlegene Würde habe. Das Leben von Tieren zu opfern, um Organe für Menschen zur gewinnen, sei erlaubt, da es einem legitimen Nutzen für den Menschen diene.
Auf die dritte Frage, nach der menschlichen Identität derer, die Fremdtransplantationen bekommen, bemerkt die Akademie, dass dieses Thema, sowohl philosophisch als auch wissenschaftlich komplex sei.
Nicht alle Organe drückten unsere menschliche Identität in gleicher Weise aus, stellt das Dokument fest. Einige Organe, wie das Gehirn oder die Fortpflanzungsorgane, besäßen einen starken personalen Wert, und es wäre hier nicht erlaubt, tierische Organe für die Transplantation zu verwenden. Andere spielten eher eine rein funktionelle Rolle, und ihr Ersatz durch tierische Organe stelle kein Problem dar.
Andere Fragen
Die Päpstliche Akademie hebt eine Anzahl anderer ethischer, auf Fremdtransplantationen bezogener, Fragen hervor.
Gesundheitsrisiken.
Es müsse eine sorgfältige Bewertung sowohl der Höhe der Risiken als auch der Schädigungen erfolgen, die durch Fremdtransplantationen entstehen könnten. Wir sollten die beiden Extreme einer totalen Opposition gegen Experimente einerseits und des Vorpreschens ohne ausreichende Vorsichtsmaßnahmen andererseits vermeiden.
Genveränderungen an Tieren
Durch die Übertragung menschlicher Gene auf Tiere, hoffen manche, die Abstoßung verpflanzter Organe zu überwinden. Dies sei, so die Akademie, ethisch zu verantworten, vorausgesetzt, dass die genetische Identität der Tiere nicht zerstört werde. Sorgfalt sei auch erforderlich, um unerwünschte Folgen für die Umwelt zu vermeiden.
Einverständnis des Patienten nach Information.
Bevor man eine Verpflanzung tierischer Organe durchführe, solle dem menschlichen Patienten eine vollständige Erklärung der bei der Transplantation mitspielenden Faktoren gegeben werden.
Hohe Kosten der Transplantation
Manche haben Einwände gegen die hohen Kosten von Fremdtransplantationen vorgebracht. Dazu macht die Akademie geltend, dass diese Kosten gerechtfertigt seien, wenn das Leben der Patienten auf dem Spiel stehe.
Patente
Bei der Frage, ob man Firmen Patente auf tierische, für Verpflanzungen genetisch veränderte, Organe gewähren sollte, kommt die Akademie zu der Entscheidung, dass eine definitive Antwort hierauf den Rahmen des Dokuments sprengen würde. Das Dokument bekräftigt jedoch, dass jede Person Zugang zu der medizinischen Versorgung haben sollte, die sie braucht, ohne Ungleichbehandlung oder Hindernisse auf Grund der Kosten der damit verbundenen Behandlung.
Johannes Paul II. hat in seiner Ansprache an den 18. Internationalen Kongress der Transplantationsgesellschaft am 29. Aug. 2000 auf Organverpflanzungen von Tieren hingewiesen.
Er erwähnte, was Pius XII. im Jahre 1956 gesagt hat. Damals hat Pius XII. festgesetzt, dass das verpflanzte Organ die Integrität der psychologischen und genetischen Identität der empfangenden Person nicht beeinträchtigen dürfe. Pius XII. wies außerdem darauf hin, dass der Nachweis erbracht werden müsse, dass die Verpflanzung eine Erfolgschance habe und dass sie den Empfänger nicht einem unangemessenen Risiko aussetze.
Die Debatte über diese Frage zeigt die Aufgeschlossenheit der Kirche dem wissenschaftlichen Fortschritt gegenüber -- solange er auf das Gesamtwohl der menschlichen Person ausgerichtet ist.
Links:
Päpstliche Akademie für das Leben, Prospects for Xenotransplantation: Scientific Aspects and Ethical Considerations.
Vatikan 26. Sept. 2001.
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