HLI-Report Nr. 22 1/1998
Liebe und Fruchtbarkeit aus christlicher Sicht
Gedanken von Pfarrer Rudolf Nussbaumer
Verantwortliche Weitergabe des Lebens
Ansprache Johannes Paul II. an die Teilnehmer des Bildungskurses
über die natürliche Geburtenregelung vom 10. Januar 1992
News aus aller Welt
Deutschland: Kind spät abtgetrieben und dann liegen gelassen.
Liebe und Fruchtbarkeit aus christlicher Sicht
Schweigendes Staunen sollte die Menschen
erfassen, wenn sie sich mit dem Geheimnis des menschlichen Lebens und Liebens befassen.
Abgesehen vom Wunderwerk des menschlichen Körpers überhaupt, müsste wirklich jeder, ob
er jetzt an einen persönlichen Schöpfergott glaubt oder nicht, tagtäglich neu darüber
staunen können, mit was für körperlichen, geistigen und seelischen Kräften und Gaben
er ausgestattet ist, was für eine ungeheure Verantwortung aber damit auch jedem Einzelnen
anvertraut wurde, wenn Mann und Frau in der seelischen und körperlichen Einswerdung
diesen grandiosen Schöpfungsplan Gottes selber mitgestalten und weiterführen dürfen.
Mein Kind, nicht einfach von mir selber - sozusagen an Gottes Stelle
- geschaffen, sondern im gegenseitigen ganzheitlichen Lieben und Schenken empfangen. Mein
Sohn, meine Tochter, die wie ein Abbild mir gleicht und etwas von mir selber wieder in die
Zukunft und damit in eine ganze Ewigkeit hineinträgt. - Ist das nicht das gewaltigste
Geheimnis dieser Welt überhaupt, auch wenn das gegenseitige Schenken und Lieben sowohl in
der Absicht als auch im Tun nicht immer von jener gegenseitigen Ehrfurcht und Dankbarkeit
geprägt ist, wie sie einem Künstler und Mitschöpfer schon von der Natur der Sache her
eigen sein sollte?
Liebe und Nachkommenschaft
Wie Leib und Seele seit dem Augenblick der Empfängnis ganz
zusammengehö-ren, wie der Mensch nur wirklich glücklich wird, wenn er auf Dauer in
dieser Ganz-heitlichkeit lebt, so gehört auch Liebe und Nachkommenschaft untrennbar
zusam-men, wenn die Menschen füreinander zum Segen werden wollen. Nur das eine ohne das
andere, Nachkommenschaft ohne Liebe (z.B. Zeugung im Reagenzglas) oder Liebe ohne
Nachkommenschaft (d.h. Verhütung aus Egoismus) ist kein Wollen aus Liebe und kann somit
auch nicht wahrhaft glücklich machen. So fragt im Buch Genesis bereits Sarah nach so
vielen unfruchtbaren Jahren: ,,Ich bin schon so alt und verbraucht und ich soll noch das
Glück der Liebe erfahren(Gen 18,12)?"
Das Glück, das Geschenk der
Liebe erfahren!
Jetzt noch? Was soll das? Das hat sich Sarah lachend gefragt. Sie
hatte doch bereits jahrzehntelang die Liebe des Abraham erfahren: nur war sie unfruchtbar.
Und doch meint sie, dass sie die Liebe eben doch nicht erfahren habe. Konkret:
Sie kann die Liebe eben erst dann ganzheitlich erfahren, wenn diese
empfangene Liebe auch fruchtbar wird, spürbar im Ungeborenen, sichtbar im Neugeborenen,
in ihrem eigenen Ebenbild, im Ebenbild Gottes.
Lieben und L(i)eben(!) - Mann
und Frau!
Das einzige, was diese Worte voneinander unverwechselbar
unterscheidet, ist das "i" das jedoch auch in ein Ausrufezeichen umgekehrt
werden kann und so darauf hinweist, dass wahres Leben ohne ganzheitliche Liebe gar nicht
gibt. Und wiederum: wahre Liebe gibt es nicht ohne entsprechend verantwortetes Leben. Wie
Leben und Liebe einander ergänzen müssen, so auch Mann und Frau. Das ist unsere Berufung
als Mensch auf Grund des Naturgesetzes und erst recht die Berufung als Christ.
Liebe und Offenheit
Wahre Liebe und fruchtbringende Offenheit besteht deshalb nur da, wo
die Verschiedenheit von Mann und Frau nicht in einer falsch verstandenen Emanzipation und
Gleichheit verwischt wird, sondern der Zeugende und die Empfangende auch in ihrem
äusseren Ausdruck des körperlichen Schenkens sich gegenseitig ergänzen.
Was soll denn z.B. im heutigen gleichgeschlechtlichen Trend
überhaupt für eine Bereicherung geschehen, wenn keine Fruchtbarkeit möglich ist,
sondern nur egoistische gegenseitige Selbstbefriedigung? Was für eine Zukunft soll so
eine Gesellschaft überhaupt noch haben, wenn sie gleichgeschlechtliche
Lebensgemeinschaften toleriert, begünstigt oder sogar noch (kirchlich) absegnen lässt?
Um gegenseitige Selbstbefriedigung geht es wohl auch dort, wo man(n
und frau) einfach "Sex haben" will, aber das Geheimnis der eigenen Fruchtbarkeit
und gottgewollten Zukunftsperspektive mit allen Mitteln zu überlisten oder zu umgehen
versucht.
Liebe muss immer offen sein für das Leben, für die Zukunft, sonst
ist sie eben keine wahre Liebe mehr, sondern Egoismus, der letztlich in der Sackgasse der
eigenen Unzufriedenheit, des Unerfülltseins endet, weil dann eben reine Konsumation und
berechneter Egoismus und nicht das gegenseitige Sichbeschenken und ergänzen bestimmend
sind.
Fruchtbarkeit und
Dreifaltigkeit
Zu fragen wäre noch, ob die Weitergabe des menschlichen Lebens
nicht viel mehr mit dem christlichen und innergöttlichen Liebesgeheimnis von Vater, Sohn
und hl. Geist zu tun haben, als bisher angenommen wurde und deshalb auch Ungeborene ein
Recht auf die ihnen oft verweigerte Taufe haben?
Wie Gottvater die Welt erschafft und aus seinem Wesen heraus den
Erlöser zeugt, so zeugt der Mann neues Leben. Wie Jesus Christus, das, was er vom Vater
her empfangen hat, weiterschenkt, so auch die Frau als Empfangende und Weiterschenkende,
als Hüterin des Lebens. Wie der hl. Geist Zeugnis ablegt von Gottes Heilsgabe, genauso
das Kind von der Fruchtbarkeit elterlicher Liebe.
Das Heilige, das Sakramentale
im ehelichen Leben
ist daher nicht zu übersehen. Und Christen, die weder die
Heiligkeit bzw. Unauflöslichkeit der Ehe noch das ungeborene menschliche Leben absolut zu
schützen gewillt sind, tragen ihren Namen zu Unrecht, weil er auf jene sichtbar d.h.
menschgewordene göttliche Liebe verweist, die sich bis zum letzten hingeschenkt und
geopfert hat.
Ja, wie kann man ehrlich um ganze Vereinigung streben, wenn man dann
doch wieder entzweien und den schützenden Rahmen der Familie durchbrechen kann? Das Kind
ist doch das sichtbare Zeichen elterlicher Liebe und Fruchtbarkeit, eine lebendige Zukunft
und Ewigkeit, die durch eine familiäre Atmosphäre der gegen-seitigen Geborgenheit
geschützt werden muss. Diese Verantwortung schliesslich muss sichtbar werden in der
dauernden Treue der sich Anvertrauten.
Segen, Liebe und Fruchtbarkeit
sind also nicht voneinander zu trennen. Was Abraham, dem Vater des
Glaubens bereits als Auftrag gegolten hat, gilt auch unverändert für die sogenannte
moderne Welt, für unsere Zeit wenn sie überhaupt noch eine Zukunft haben will; ,,Du
sollst ein Segen sein! In dir sollen alle Segen erlangen. Du sollst fruchtbar sein!"
Pfarrer Rudolf Nussbaumer
Verantwortliche Weitergabe des Lebens
Ansprache Johannes Paul II. an die
Teilnehmer des Bildungskurses
über die natürliche Geburtenregelung
10. Januar 1992
(...) Wenn ihr euren Kurs mit dem Stichwort ,,Bildung" verseht, lenkt ihr die Aufmerksamkeit auf einen entschei-denden Aspekt der Probleme, mit denen ihr euch beschäftigt: Die natürliche Geburtenregelung besitzt nämlich nicht nur einen bloss technischen Charakter, zu ihr gehört vielmehr immer eine wesentlich moralische Dimension. Es geht daher nicht nur um den Erwerb und die Verbreitung von wissenschaftlich gesicherten Kenntnissen über die Physiologie der Sexualität und die Diagnoseverfahnren bei der Fruchtbarkeit der Frau. Es geht auch und vor allem um das Verständnis der Wahrheit über die menschliche Liebe im Plan Gottes und um die Reifung des Empfindens für die mit ihr verbundenen moralischen Werte. Daher findet ein immer genaueres Wissen um die Rhythmen der Fruchtbarkeit des weiblichen Organismus seinen angemessen Horizont und die Voraussetzung für seine moralisch erlaubte Anwendung im Rahmen der ehelichen, als Tugend der echten Gattenliebe verstandenen Keuschheit.
Heute von Tugend und zumal von Keuschheit zu sprechen, ist nicht leicht. In der vorherrschenden Mentalität wurde Tugend allzu oft mit einer Haltung der Furcht oder Angst gegenüber dem Leben verbunden, die Keuschheit aber wurde als eine Verneinung der Werte der Sexualität gesehen und zuweilen auch dargestellt. "In christlicher Sicht besagt Keuschheit (aber) keineswegs eine Verdrängung oder Missachtung der menschlichen Geschlechtlichkeit; sie bedeutet vielmehr eine geistige Kraft, die die Liebe gegen die Gefahren von Egoismus und Aggressivität zu schützen und zu ihrer vollen Entfaltung zu führen versteht" (Familiaris consortio, Nr.33).
Wenn die Tugend nämlich eine wachsende Integrierung der instinktmässigen und psychischen Kräfte, wie sie der Geschlechtlichkeit eigen sind, erreicht, ermöglicht sie jene Selbstbeherrschung, die Voraussetzung des Schenkens und Annehmens, das heisst der Liebe, ist. Nur wer frei ist, also nicht von der Begierde beherrscht ist, kann sich selbst vorbehaltlos hinschenken und die andere Person ebenso annehmen. Die Rolle der Enthaltsamkeit besteht gerade darin, die Selbstbeherrschung zu sichern. Die Ablehnung der Weitergabe des Lebens dagegen und das Nein zur Fortpflanzung, wie sie einer Mentalität der Empfängnisverhütung eigen sind, entstellen nämlich die Logik der Hingabe gerade bei der ehelichen Liebe und sind Zeichen für eine schwere moralische Entgleisung. Solche Haltungen spiegeln ein pessimistisches Urteil über das Dasein wider und die Bevorzugung unmittelbarer Freuden, während man die mit Vater- und Mutterschaft verbunde-ne Verantwortung ablehnt.
Im Licht dieser Gedanken kann man den ethischen Unterschied verstehen, der zwischen Empfängnisverhü-tung und dem Rückgriff auf natürliche Rhythmen besteht, wenn man Vater- und Mutterschaft verantwortlich leben will. Es geht nicht um eine blosse Unterscheidung auf der Ebene der Technik oder der Methoden, bei denen das entscheidende Element die ,,künstliche" oder ,,natürliche" Art das Vorgehens wäre. Es geht vor allem um einen Unterschied der Haltungen.
Tatsächlich sind die sogenannten ,,natürlichen Methoden" Mittel zur Feststellung der fruchtbaren Zeiten der Frau, die die Möglichkeit einer Enthaltung von sexuellen Beziehungen anbieten, wenn berechtigte Gründe der Verantwortung es nahelegen, eine Empfängnis zu vermeiden. In diesem Fall ändern die Ehegatten ihr sexuelles Verhalten durch Enthaltsamkeit. Die Dynamik der Hingabe seiner selbst und die Annahme des andern, wie sie zum ehelichen Akt gehört, wird nicht verfälscht.
Der Entschluss zur Empfangnisverhütung
dagegen lässt praktisch wohl das sexuelle Verhalten unverändert, verfälscht aber die
innere Bedeutung der Hingabe und der Annahme, wie sie dem ehelichen Akt eigen ist, indem
sie ihn willkürlich der Dynamik der Weitergabe neuen Lebens verschliesst. Statt die
Dynamik der instinktiven und psychischen Kräfte der Sexualität auf die Ebene der Person,
das heisst auf die Ebene der Verantwortung des Subjekts, das sie im Licht der wahren Liebe
annimmt und integriert, zu erheben, überlässt sie diese sich selber und erlaubt eine
Erniedrigung der Person zum Objekt. (...)
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Deutschland: Kind spät abtgetrieben und dann liegen gelassen
Ein Fall, der sich im Sommer 1997 in Oldenburg
ereignete, hat in Deutschland Schlagzeilen gemacht. Eine Frau liess ihr Kind, dem Trisomie
21 (Down Syndrom) diagnostiziert wurde in der 25. Schwangerschaftswoche abtreiben. Nach
der eingeleiteten Frühgeburt wurde das Kind lediglich in eine Decke gewickelt und
"beobachtet". Erst zehn Stunden nach der Geburt erhielt das Kind die notwendige
ärztliche Versorgung. Die Eltern haben Anzeige erstattet, weil sie ungenügend über das
Risiko aufgeklärt worden seien, dass das Kind die Abtreibung überleben könnte.
Nach Aussagen des CDU-Bundestagsabgeordneten Hüppe soll "Der
Fall Oldenburg" gemäss Schätzungen von Fachleuten kein Einzelfall sein. Demnach
würden etwa dreissig Prozent der abgetriebenen Föten nach der zwanzigsten
Schwangerschaftswoche überleben. Bei zweihundert gemeldeten Abtreibungen nach der 23.
Schwangerschaftswoche müsste somit in Deutschland jährlich mit sechzig ähnlichen
Fällen gerechnet werden.
(vgl. Deutsche Tagespost, 8. Jan. 1998, S 1; Focus 52/1997)
gilt allen Gönnern und
Mitgliedern,
die HLI-Switzerland in diesem Vereinsjahr
durch kleinere und grössere Spenden
unterstützt haben!
© 1998 Human Life International
Schweiz.