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| HLI-REPORT HUMAN LIFE INTERNATIONAL Schweiz Nr. 29 Dezember 1999 |
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Inhaltsverzeichnis:
Liebe, Leben und Familie -
Herbsttagung 23. Oktober 1999
Ausschnitte aus den Referaten, zusammengestellt von Anita Walser
- Dr. med. Heidi Wolf: Zeugnis für das Leben von «Nadja» (Volltext)
- Hans Ziegler, Psychotherapeut: Probleme kinderloser Ehepaare (Volltext)
- Markus Weber, Künstler mit Down-Dyndrom
- Pfrh. Roland Graf und Guido Appius, Künstliche Befruchtung aus ethischer und politischer Sicht (Volltext Graf, Volltext Appius)
- Dr. med. Rudolf Ehmann, Trennung von Sexualität und Fortpflanzung (Volltext)
- Käthi von Däniken, Harmonie von Geist und Körper. Was hat Enthaltsamkeit damit zu tun? (Volltext)
Bilder von der Herbsttagung
Liebe, Leben
und Familie - Herbsttagung 23. Oktober 1999
Ausschnitte aus den Referaten, zusammengestellt von Anita Walser
Liebe Leserinnen und Leser des HLI Reportes
Im folgenden finden sie Ausschnitte der Referate anlässlich unserer Herbsttagung am 23.10.99 in Zürich. Leider ist es uns aus Platzgründen nicht möglich, die vollständigen Vorträge zu publizieren. Wir geben hier lediglich einige Ausschnitte wieder. Sie haben aber die Möglichkeit, alle Referate gebunden zum Preis von nur Fr. 15.- (+Porto) bei uns zu beziehen oder im Internet anzuschauen.
Dr. med. Heidi Wolf:
Zeugnis für das Leben "Nadja"
Wenn ich nun zu erzählen beginne, wie ich alles erlebt habe, ist das ein sehr persönliches Erleben. Es ist auch nicht einfach, all die Gefühle am Anfang wiederzugeben. Und wenn es für einige etwas leicht und einfach tönen wird, möchte ich vorwegnehmen, dass ich eine Menge sehr gute Voraussetzungen im Leben hatte, um nicht all zu tief und bodenlos zu fallen: Ich war schon fast 6 Jahre sehr glücklich verheiratet, bin in einer Familie mit viel Liebe und Geborgenheit aufgewachsen und habe selber einen leicht behinderten Bruder, den ich als Schwester so akzeptieren lernte, wie er ist. Doch der allergrösste Halt in meinem Leben ist der lebendige Glaube an Jesus Christus. Ich möchte später darauf zurückkommen.
Die Geburt unserer Nadja im April 93 zog sich sehr in die Länge. Endlich war das Kind da. Doch es bewegte sich kaum, gab fast keinen Laut von sich und lief blau an. Sofort nahm man es mir weg und setzte ihm eine Sauerstoffmaske auf. Minuten später wurde es im Brutkasten abtransportiert. 2 Stunden nach der Geburt konnten wir Nadja auf der Frühgeburtenabteilung besuchen. Ihr Aussehen erschien uns etwas fremd. Sie lag auf dem Bauch und sah uns in keiner Weise ähnlich. Dann kam der Oberarzt. Seltsamerweise bat er uns in sein Büro, um mit uns über Nadja zu sprechen. "Das bedeutet nichts Gutes", schoss es mir durch den Kopf. Ganz sachlich erklärte er uns dort, dass der Sauerstoffmangel, die schlaffe Muskulatur, die Schrägstellung der Augen und die typische Stupsnase mit breiter Wurzel ein Hinweis darauf sei, dass Nadja das DS, im Volksmund Mongolismus genannt, haben könnte. Es traf mich wie ein Schlag. Ich fühlte mich plötzlich so leer und wusste einfach nicht, was ich antworten sollte. Mein Mann redete mit dem Oberarzt, dass wir sie trotzdem annehmen möchten und lieb haben. Ich konnte nichts sagen. Als Ärztin hatte ich ein ziemlich negatives Bild von Menschen mit DS: Die geistige Behinderung stand im Vordergrund, Herzfehler u.a. medizinische Probleme, und dass sie unselbständig bis ans Lebensende sind. Das war nicht das Kind meiner Vorstellung. Wir hatten uns doch so sehr gefreut, Eltern zu werden. Eltern von einem normalen Kind. Diese ganze Vorstellung brach nun in einem Moment zusammen, wie ein Kartenhaus. Etwas Unerwartetes, Bedrohliches war in mein Leben getreten.
Die Nachricht von ihrem DS hat uns erschüttert. Mein Mann dachte, wenn es sich doch nur herausstellt, dass es nicht wahr ist. Wir haben geweint. Auch noch etwa ein halbes Jahr lang war es für mich jedes Mal eine Herausforderung, gesunde gleichaltrige Kinder zu erleben und all das zu sehen, was Nadja wegen ihrem Entwicklungsrückstand noch nicht konnte. Doch dieser Schmerz wurde mit der Zeit immer weniger heftig. Wir haben als Ehepaar viel über unsere Ängste und Gefühle gesprochen, das gemeinsame Tragen hat unsere Beziehung vertieft. Wir haben der Geburtsanzeige einen Brief beigelegt, wo wir unser Erleben geschildert haben und unsere Freunde aufgefordert, mit uns offen darüber zu sprechen. Das hat viele Barrieren beseitigt. Wir haben uns v.a. gefreut, wenn Freunde normal und mit Freude über Nadja reagiert haben.
Wir haben alles was uns in die Finger kam zum Thema DS gelesen und ein Seminar besucht. So hat das Unbekannte, Bedrohliche immer mehr Gestalt angenommen und wir schöpften auch Hoffnung, weil man heute Kinder mit DS und auch andere behinderte Kinder oft gut fördern kann.
An dieser Stelle möchte ich noch kurz das DS erklären, das mit 1 auf 700 Geburten die häufigste angeborene Behinderung ist, die das Leben stark beeinflusst. Gefolgt vom offenen Rücken, der sog. Spina bifida, mit 1:1000 Geburten. Aber die meisten Babies kommen natürlich gesund zur Welt.
Down-Syndrom (DS)
Die Ursache ist ein zusätzliches Chromosom Nr. 21. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Betroffenen beträgt heute etwa 60 Jahre. In den letzten 15 Jahren hat sich ihre Leistungsfähigkeit aufgrund gezielter Förderung stark verbessert. Viele werden recht selbständig und können sogar lesen und schreiben. Sie haben eine besondere Stärke im sozialen Umgang. Der geistige Entwicklungsrückstand ist unterschiedlich. Einige leiden unter körperlichen Problemen, v.a. Herzfehler, Darmprobleme.
Eine amerikanische Mutter sagte einmal über ihr Leben mit ihrem Kind mit DS: "Es ist, wie wenn man eine Reise nach Rom geplant hat. Man freut sich im voraus auf all die Sehenswürdigkeiten und die feinen Pizzas. Und dann, wenn das Flugzeug landet, merkt man, dass man nicht in Rom, sondern in Holland angekommen ist. Zuerst erschrickt man. Doch mit der Zeit merkt man, dass es auch da schöne Sachen zu sehen gibt und freut sich an den farbigen Tulpen."
Und mit der Zeit ist Nadja herangewachsen zu einer sehr herzigen, munteren Persönlichkeit. Sie ist aufgegangen wie eine Blume. Unser anfängliche Schmerz ist einer grossen Freude über ihrem freudespendenden Leben gewichen. Wir können uns immer mehr an den farbigen Tulpen freuen.
Frau Heidi Wolf schildert weiter ihren persönlichen Weg zu Jesus Christus. Prägend dabei war die Studentengruppe Campus für Christus (CCC).
Gott hat mir und meinem Mann geholfen. Viele Freunde haben für uns gebetet. Ich glaubte, Gott macht keine Fehler, irgendein tieferer Sinn liegt dahinter, dass Nadja das DS hat. Auch wenn ich diesen Sinn nicht genau kenne, hat mir dies geholfen. Nadja hat uns sehr viele Türen für neue, bereichernde Beziehungen geöffnet. Ich konnte es auch als eine Chance sehen, selber ganz neu über den Lebenswert nachzudenken. Ich konnte lernen, dass es lebenswertes Leben auch in anderer Form gibt, als wir es uns vorstellen können. Auch ein behinderter Mensch hat Anspruch auf ein frohes Leben. Diese christliche Ethik, dass jedes Leben Würde hat und wertvoll ist unabhängig von Nutzen und Leistung, war uns die grösste Hilfe in der Annahme von Nadjas Behinderung. Ohne dieses Fundament hätten wir wahrscheinlich auch der heute vorherrschenden Meinung geglaubt, dass Behinderung eine Katastrophe sei, etwas ganz schlimmes, weil man behinderte Kinder heute abtreibt.
Dass es sich jedoch lohnt, unser Leben auf Gottes Wahrheit aufzubauen, bestätigen mir jedes mal die strahlenden Augen von Nadja und ihre kleinen Arme, die sie lieb um meinen Hals schlingt, wenn sie mich umarmt. "Sätzeli" sagt sie dann manchmal und platziert einen feuchten Kuss auf beide Wangen. Gott liebt die Armen und Schwachen ganz besonders, er möchte, dass wir uns zu ihren Advokaten machen. Und wenn wir uns selber schwach fühlen, in einer Krise stecken, helfen uns vielleicht tröstende Zusagen aus der Bibel: "Vertraue auf ihn allezeit, schütte dein Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht!" (Psalm 62,9)
"Fürchte dich nicht! Friede sei mit dir! Sei getrost, sei getrost!" (Daniel 10,19)
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Hans
Ziegler, Psychotherapeut, zeigte die Probleme kinderloser Ehepaare auf. Er
sprach u.a. über die belastenden Momente der Kinderlosigkeit, wie sich die
Kinderlosigkeit aufs Leben auswirkt, welche Empfehlungen kinderlose Paare
anderen Ehepaaren geben usw.. Wir wählten für sie seine Ausführungen über
die belastenden Momente der Kinderlosigkeit aus und wie sich Kinderlosigkeit auf
das eigene Leben auswirkt.
Frage nach den belastendsten Momente in Bezug auf Kinderlosigkeit
Die Selbsteinschätzung auf diese Frage ermöglicht es, verschiedene Bereiche in ihrem Ausmass zu unterscheiden. Neben der Einschätzung der Stärke der Belastung auf einer Tabelle wurde aufgefordert, auch inhaltlich auf die Belastungen einzugehen. 9 Frauen und nur 2 Männer haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Eine Frau hat mit ihrer Bemerkung an Stelle der Antworten des Mannes diesen Sachverhalt verdeutlicht: "Mein Mann hat Mühe, das Empfinden in Worte zu fassen."
Kommentar zur Frage belastendste Momente in Bezug auf Kinderlosigkeit
Es zeigt sich, dass die Frauen mit einem Gesamtwert von 146 stärker unter der Kinderlosigkeit zu leiden scheinen als die Männer, die einen Wert von 105 aufweisen. Das lässt die Frage entstehen, ob Männer weniger in der Lage sind, Belastung zu benennen. Schliesslich ist man ja stark. Oder wie ein Mann es formulierte: "Ich nehme es, wie es kommt." Wir werden später sehen, dass es für Frauen auch spezifische Gründe geben kann, unter der Kinderlosigkeit zu leiden. Betrachten wir nun die einzelnen Bereiche:
Persönliche Belastung
In diesem ersten Bereich spiegelt sich ziemlich genau das Verhältnis des Gesamtergebnisses. Welche Belastungen werden genannt? Zwei Frauen nennen die Zeit nach dem definitiven Arztbescheid betreffend Unfruchtbarkeit als sehr belastend. Für die eine von ihnen war es nur eine kurze Zeit, denn sie war zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger. Hören wir, was sie dazu sagt:
"Meine Depression und Schock hielt etwas drei Wochen an und wurde von der Freude über unser erlebtes Wunder abgelöst. Die Stimmungsschwankungen begannen etwa ein Jahr nach der Geburt wieder, nachdem eine weitere Schwangerschaft erneut ausblieb. D.h. tiefe Traurigkeit um die ersten Tage der Mens. Das blieb über 8 Jahre. Auch nach der Adoption spüre ich diese Schwankungen, allerdings nicht mehr so stark. Ich kann es jetzt besser aufopfern und in die Hände Gottes legen." Weiter wurden genannt: "Mein Selbstwertgefühl als Frau war ganz stark erschüttert, weil ich ganz starkes Bedürfnis nach Kindern hatte. Starker Hader mit Gott, es kam zu Glaubensschwierigkeiten."
In der Partnerschaft:
Die Belastung in der Partnerschaft weist bei Männer und Frauen den gleichen Wert auf. Wegen der Zurückhaltung in der Selbsteinschätzung, kann man annehmen, dass die Männer eher noch stärker leiden als die Frauen. Das kann unterstrichen werden durch die zwei abgegebenen Statements:
"Wir haben uns Trost gespendet, doch konnten wir nichts ändern. Wir spürten eine Ohnmacht."
"Das Intimleben wurde belastet, Erektionsstörung durch Erwartungsdruck."
Noch deutlicher wird die Belastung in der Partnerschaft sichtbar in Antworten zur Frage der Beeinträchtigung der Sexualität:
"Ja, die Freude und völlige Hingabe oder sich vergessen ging verloren. Es wurde mir zur Pflicht, weil ich ja Kinder wollte."
"Ja, sie wurde negativ belastet und zum Stress über eine Zeit lang."
"Sexualleben nach vorgeschriebenem Plan ist grausam."
Unter Verwandten und Bekannten:
In diesem Bereich schwankt die Belastung extrem. Die einen erleben die Anteilnahme der Verwandten als positiv, auch wenn der Schmerz dadurch nicht ausgelöscht wird. So schreibt eine Frau: "Meine Mutter weinte viel und sagte, warum gerade Du. Das tat mir weh. Ich spürte aber von meiner Schwester, dass sie so gern für mich ein Kind gebären würde. Dasselbe herzliche Gefühl und Verständnis durfte ich von Tanten und Freundinnen erfahren."
Eine andere Antwort war kurz und bündig: "Anteilnahme." Anteilnahme kann aber auch als Belastung empfunden werden: "Manchmal fragten sie danach und drängten uns zu Untersuchungen." Viele Frauen erlebten es als Belastung, wenn in ihrer Umgebung Kinder geboren und ausführlich darüber gesprochen wurde. Eine Frau schreibt: "Viele unserer Freunde bekamen in dieser Zeit ihr Kind und konnten oder wollten unsere Situation nicht zur Kenntnis nehmen." Etwas ausführlicher ist die folgende Antwort: "Es war oft so, dass ich vor allem von Frauen, die selbst schon ein oder mehrere Kinder haben, Verständnis erhoffte für meinen Kinderwunsch und meine Ängste kinderlos zu bleiben, wobei ich diesbezüglich enttäuscht wurde. Oft merkte ich, dass viele gar nicht auf dieses Problem eingehen wollten, weil es für sie auch fast nicht nachvollziehbar ist. Sie hatten ja, was ich mir wünschte. Es gab oft viele unsensible Bemerkungen, welche mich verletzten. Es ist bekannt, dass manche Ehepaare keine Kinder wollen. Es gibt wenige, die sich die Mühe machen, darüber nachzudenken, wie ihre ungewollt kinderlosen Bekannten dieses Schicksal empfinden."
Eventuell während medizinischer Behandlung / Abklärung:
Wie bei der Einschätzung der Belastung in der Partnerschaft ergeben sich hier für Frauen und Männer die gleichen Werte. Es sind zwei Momente zu beachten. Männer können sehr belastet sein, wenn ihre Frauen von der Medizin vereinnahmt werden. Zum andern wird die medizinische Abklärung beim Mann als unangenehm bis maximal belastend erlebt: "...als ich für ein Spermiogramm in der Klinik onanieren musste." "Unangenehme Gespräche und Situationen."
Ob den vielen Problemen und Belastungen könnte man ganz pessimistisch werden. Das wäre aber eine Fehleinschätzung der Situation. Wir haben ja nach den Belastungen gefragt und sie geschildert erhalten. An weiteren Antworten auf unsere Fragen lässt sich sehr schön aufzeigen, wie Belastungen fruchtbar werden konnten.
Wie hat sich die Kinderlosigkeit auf Ihr Leben ausgewirkt?
10 der 15 Ehepaare haben auf diese Frage sich sehr positiv geäussert, zum Teil mit beeindruckenden Bekenntnissen. Lassen wir einige dieser Berichte auf uns wirken:
"Nach rund eineinhalb Jahren Trauerarbeit wurde sie wegweisend für unseren ganz persönlichen Weg und den Auftrag als Ehepaar." "Eigentlich positiv, denn ich hatte immer sehr Mühe, ausser meine jüngeren Geschwister, die ich erziehen half, andere Kinder lieben zu können. Nun aber ging mein Herz für solche Kinder auf und wir beide freuen uns, wenn Ferienkinder kommen oder ich hie und da hüten gehen kann. Wir sind auch mit ehrenamtlichen Aufgaben und einem grossen Bekanntenkreis ausgelastet." "Heute kann ich es nicht mehr als Problemkreis ansehen, wenn ich keine Kinder bekomme oder keine weiteren. Mein Leben hat dann andere Aufgaben und diese suche ich durch Stille und Meditation zu erfahren, und der Vater im Himmel wird sie mir zeigen und es wird eine ebenso grosse Erfüllung eintreten in meinem Leben. Auch als Mutter musste ich erfahren, dass ich nur einen Teil der Kindererziehung übernehmen kann. Was ich ihnen nicht geben oder sie lehren kann, darüber mache ich mir keine Sorgen, sie kommen zu den Menschen die bestimmt sind, meinen Kindern das zu geben was sie brauchen." "Grundsätzliche Fragen: Wie weiter? Gottes Plan für das eigene Leben? Sinnfrage? Zusammen mit dem Mann ein gemeinsames Hobby suchen, aufbauen und pflegen." "Wir sind im Glauben gewachsen und haben gutes Verständnis für andere Paare in ähnlicher Situation. Wir mussten uns in Geduld und Demut üben und lernen, alles zu übergeben in Gottes Hände." "Wir sind ernster und nachdenklicher geworden. Wir haben andere Prioritäten gesetzt, sind uns bewusst geworden, welche andere Möglichkeiten es im Umfeld gibt, z.B. Jugendarbeit und soziale Kontakte."
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Markus
Weber, Künstler mit Down Syndrom, stellte anlässlich unserer Tagung in
Zürich-Seebach einige seiner Werke aus. Er erzählte gemeinsam mit seinen
Eltern von seinem Leben und Wirken. Wir führten ein kurzes Interview mit Ihm,
das wir an dieser Stelle mit viel Freude wiedergeben.
Was gefällt ihnen am besten am Leben? Sind sie glücklich und zufrieden mit ihrem Leben?
Markus Weber:
Mir ist der Frieden, der innere und auch der äussere Frieden sehr wichtig,
d.h. der Rhythmus von Seele und Herz, wo sich Menschen treffen können. Nicht
was aussen ist, ist nützlich, sondern was innen ist, ist nützlich.
Ich empfinde mich nicht als sehr behindert, gewisse motorische Abläufe sind anders bei mir, dafür habe ich ganz weiche Hände und das ist wichtig für meine Malerei und das freut mich und ist lebenswichtig für mich. Ich lebe ganz normal.
Die Bilder sind mir sehr wichtig, denn ich kann etwas von der himmlischen Atmosphäre den Menschen weitergeben, die Interesse zeigen, und vor allem die Farben können den Menschen gut tun. Licht und Dunkelheit sind so verschieden, wie alle Menschen verschieden sind. Ich stimme meine Bilder sehr darauf ab.
Haben sie einen Wunsch, z.B. wie ihre Bilder betrachtet werden sollten?
Markus Weber:
Ich wünsche mir, dass meine Bilder angesehen werden, und dass sie meine
Gefühle und die Harmonie weitergeben. Der Betrachter soll durch die Symbole,
die Farben und die Kontraste von Licht und Dunkel im Herzen berührt werden.
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Mit
verschiedenen Aspekten der künstlichen Befruchtung haben sich Pfarrhelfer
Roland Graf und Guido Appius eingehend auseinandergesetzt. Einige Ausschnitte
aus ihren Referaten.
Der Wunsch eines Paares nach einem Kind ist zweifellos etwas Gutes und in der heutigen Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich. Wird der innige Kinderwunsch über lange Zeit nicht erfüllt, ist dies für die betroffenen Personen mit seelischem Schmerz verbunden. Je inniger der Wunsch gehegt wird, umso intensiver ist der daraus folgende Schmerz.
Die IVF-ET und die künstliche Befruchtung können als Methoden angesehen werden, die den Wunsch nach einem Kind je nach Ursache der Unfruchtbarkeit mit geringer oder grösserer Wahrscheinlichkeit erfüllen und den Schmerz dadurch beseitigen können. Dieser gewiss positive Aspekt dieser Methoden, der ihnen eine Existenzberechtigung zu geben scheint, darf uns nicht davon abhalten, genau zu prüfen, wie das in-vitro gezeugte menschliche Leben durch die Reproduktionsmedizin behandelt wird. Dieser Vortrag soll in erster Linie Einblick in die Vorgänge rund um die IVF (abgekürzt IVF) geben.
Die jahrzehnte lange Forschung wurde 1978 nach In-vitro-Fertilisation und Embryotransfer durch die Geburt des ersten Babys, der Louise Brown, mit Erfolg gekrönt. Heute wird die IVF als Routinemethode zur Behandlung gegen Unfruchtbarkeit angesehen. Nach dem ART World Report des Jahres 1995 sind bereits seit Anwendung der IVF 136'408 Kinder geboren worden.
Anfangs, als das Einfrieren von Embryonen noch nicht möglich war, konnte die IVF-ET etwa wie folgt ganz kurz zusammengefasst werden: Der Frau werden durch medikamentöse Stimulation der Eierstöcke mehrere Eizellen entnommen und vom Mann durch Masturbation oder andere Techniken Samenzellen gewonnen. Es werden so viele Embryonen gezeugt, wie der Frau eingepflanzt werden können. Sofern überhaupt eine Einnistung erfolgt, resultiert je nach Anzahl eingenisteter Embryonen daraus eine Schwangerschaft, die dann zur Geburt eines oder mehrerer Babys führt. Neue ethische und rechtliche Probleme haben sich ergeben, seit das Einfrieren (Kryokonservieren) von Embryonen möglich geworden ist.
Die Reproduktionsmedizin hat durch ihre Fortschritte solche und viele andere ethische Fragen aufgeworfen und weitere werden folgen. Es kann keineswegs behauptet werden, das Lehramt der Katholischen Kirche hätte sich um die Beantwortung dieser Fragen herumgedrückt. Schon 1897 äusserte sich das Katholische Lehramt auf Anfrage, ob die künstliche Befruchtung beim Menschen erlaubt sei. Ein klares Nein war die Antwort. Die Kirche hat sich seither immer wieder und immer differenzierter zu Fragen rund um die künstliche Befruchtung und später zur IVF-ET geäussert, zuletzt in der Enzyklika 'Evangelium vitae' über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens am 25. März 1995.
Am ausführlichsten behandelte das kirchliche Lehramt im Jahr 1987 diese Methoden in der Instruktion der Glaubenskongregation "Donum vitae". Allen Methoden ist eines gemeinsam: Die Trennung von Liebesakt und Zeugung. Deshalb wurden sowohl die homologe künstliche Befruchtung, als auch die IVF ausnahmslos als in sich schlecht und somit verwerflich bewertet.
Ganz klar gilt nach Röm 3,8: "Es darf nicht etwas Böses getan werden, damit etwas Gutes entsteht." Die Kirche lehrt, dass eine gute Absicht oder besondere Umstände einen in sich schlechten Akt abschwächen, aber nie aufheben können. Es bleibt trotzdem eine in sich schlechte Handlung (VS 81). Die Durchführung der IVF-ET und der künstlichen Befruchtung will zwar einem unfruchtbaren Paar zu einem Kind verhelfen, aber dieses gute Ziel kann nur durch die Trennung von Zeugung und Geschlechtsakt erreicht werden. Der technische Vorgang widerspricht der Würde der menschlichen Fortpflanzung und der ehelichen Vereinigung.
Politische
Umsetzung (Guido Appius)
Im Gegensatz zum Theologen vor gleichgesinntem Publikum, hat es der christliche Politiker bei der praktischen Umsetzen ethischer Erkenntnisse schwerer, weil er einen pluralistischen Souverän zu überzeugen hat. Konkret geht es um die Änderung des Art. 119, Abs. 2 c und g BV (alt: Art 24) was des Volk- und Ständemehrs bedarf. Die Neufassung lautet: "Die Zeugung ausserhalb des Körpers der Frau und die Verwendung von Keimzellen Dritter zur künstlichen Zeugung sind unzulässig."
Politik als Kunst des Möglichen
Zur Mehrheitsbeschaffung für die FMF-Initiative sind unbedingt Stimmen aus andern Lagern nötig und deshalb zählen auch Argumente, wie sie u.a. zu Recht im Nationalrat zu hören waren. Z.B.: die medizintechnische Behandlungen verletze die Würde der Frau - sie degradiere die Frau zur Gebärmaschine oder Eizellenlieferantin und Materialbeschafferin für die Embryonenforschung - es sinke der Eigenwert der kinderlosen oder ledigen Frau, weil die Vollwertigkeit erneut an die Mutterrolle geknüpft werde – der Wunsch nach einem gesunden Kind setze unabwendbare, eugenische Entscheidungen voraus - mögliche Haftungsforderung nach unsorgfältiger Behandlung würde vermeintlich Krankhaftes vorsorglich eliminieren lassen - die Frau werde wehrlos der Verfügungsgewalt Dritter ausgeliefert – der Druck seitens Verwandter werde stärker - auf die Kassen werde ein neuer Kostenschub zukommen - die Aufhebung der Anonymität bei heterologen Verfahren schaffe enorme, psychologische Probleme - die gesetzlich vorgeschriebene Kontrolle sei leicht zu umgehen und deshalb wirkungslos - usw. Alle diese Einwände dürfen nicht als Angstmacherei abgetan werden, denn sie werden und sind zum Teil schon Realität.
Die erwünschte Signalwirkung
Wir sind wohl das einzige Volk auf der Welt, das in einer so eminent ethisch-moralischen Sache zur Verantwortung gerufen wird. Sicher wird der Ausgang der Abstimmung breite Beachtung finden. Ein positiver Entscheid hätte Signalwirkung und dürfte über die Landesgrenzen hinaus einen Prozess des Umdenkens einleiten. "Die Natur wird nie dem Menschen folgen, sondern der Mensch hat die Gesetze der Natur zu befolgen", warnte schon vor 2000 Jahren Dioskurides, der Arzt, Biologe und bedeutendste Pharmakologe des Altertums. Dass dieser vielfach bestätigten Erkenntnis der moderne, pluralistische Staat folge, hofft im Interesse künftiger Generationen der Sprechende.
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Welche
Zusammenhänge zwischen der Trennung von Sexualität und Fortpflanzung bestehen,
zeigt folgender Ausschnitt aus dem Referat von Dr. R. Ehmann.
Trennung von Sexualität und Fortpflanzung
Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte gelang die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung in grossem Umfang. Dieser bis dahin der privaten Sphäre angehörende Bereich drang nun plötzlich gewaltig in die Öffentlichkeit. Es wurde ein Recht auf frei verfügbare Sexualität gefordert mit Sprengung aller bisherigen Grenzen. Das Lustprinzip erhielt Vorrang vor der biologischen Bestimmung der Sexualität, der Fortpflanzung. Die Pornographiewelle leitete diesen Prozess theoretisch ein, die Kontrazeption vollzog ihn faktisch.
Medikalisierung der Empfängnisverhütung
Im Rahmen dieses Vorganges geschah etwas bisher nicht Dagewesenes. Die Empfängnisverhütung wurde nahezu vollständig medikalisiert. Der Arzt, bis anhin Lebensförderer, wurde unverhofft und zunächst ungewollt zum wesentlichen Mitbestimmer der Lebensverhinderung und damit einer Geburteneinschränkung, unter deren Folgen die westliche Welt noch lange zu leiden haben wird. Die Medikalisierung erfolgte nicht von ungefähr, handelt es sich bei den wesentlichen modernen Kontrazeptiva doch um »Medikamente« im weitesten Sinne. Das heisst: Es geht um den Einsatz von Mitteln, die in einer grundsätzlich so weitreichenden Weise in den menschlichen Organismus eingreifen, dass die Zuziehung des zuständigen Spezialisten unerlässlich geworden ist. Ein Novum war auch, dass erstmals in der Medizin Pharmaka in grossem Stil nicht aus medizinischer Indikation, sondern aus anderen Gründen eingesetzt wurden.
Das kleinere Übel
Es fiel nicht schwer, die Ärzte für dieses Vorhaben zu gewinnen, indem ihnen – wie auch der Bevölkerung – das Schlagwort suggeriert wurde: »Lieber Verhüten als Abtreiben.«
Dass damit der Teufel durch Beelzebub ausgetrieben werden sollte, merkten die wenigsten. Denn gleichzeitig wurde – besonders auch von Moraltheologen – der Begriff des »kleineren Übels« breitgetreten. Er hat seine Wirkung ebenfalls nicht verfehlt, er wirkte sehr verfänglich und tut es immer noch.
Identität internationaler Lobbyisten
Fast gleichzeitig wurde die Abtreibung in allen westlichen Ländern systematisch und Schritt für Schritt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, selbst mit Lüge und Sprachmanipulation propagiert: Geltende Strafvorschriften wurden zuerst gezielt übertreten, dann vom Gesetzgeber weitgehend aufgehoben und damit das Bewusstsein von der eigenen, unantastbaren Würde und dem unveräusserlichen Lebensrecht des ungeborenen Kindes zerstört. Mit falschen Zahlen wurden parlamentarische Willensbildungsprozesse »vorstrukturiert«.
Gemeinsamkeiten zwischen Kontrazeption und Abtreibung: Das Kind als Bedrohung
Wir wissen heute: Kontrazeption und Abtreibung hängen engstens zusammen. Nicht nur, wie wir noch sehen werden, hinsichtlich des Wirkmechanismus der Kontrazeptiva, sondern vor allem auch ideologisch und psychologisch. Eine wirkungsvolle Kontrazeption will verhüten: Es ist das Kind, das verhindert werden soll. Dadurch entwickelte sich zunehmend eine negative Einstellung zum Kind, es kristallisierte sich rasch das Feindbild Kind heraus. Da es die Sexualität ist, die hier involviert ist und die einen dominierenden Trieb des Menschen darstellt, war es unumgänglich, dass diese gegenüber dem Kind bald die Priorität erhielt. Das Kind wurde immer mehr zur unerwünschten Begleiterscheinung der Sexualität. War es trotz Kontrazeption zu einer Zeugung gekommen, so blieb meist die Haltung gegen ein Kind bestehen. Das Nein zur Weckung von Leben liess und lässt sich meist nicht stoppen; es wandelt sich dann konsequenterweise leider nur zu oft zu einem Ja zur Abtreibung und damit zum Nein auch dem bereits entstandenen Leben gegenüber.
Den Promotoren der Kontrazeption war wohl bewusst, dass kein Antikonzeptivum letzte Sicherheit bot und als letzter Ausweg nur die Abtreibung bleiben würde. So wurde die Abtreibung zur Absicherung der Kontrazeption benötigt und daher auch gleichzeitig propagiert. Dies kommt sehr explizit zum Ausdruck in der Zeitschrift von PRO FAMILIA, der Deutschen Gesellschaft für Sexualberatung und Familienplanung e.V.: »Widersprechen wir doch endlich immer wieder dem Unsinn von der sicheren Verhütung, von der Leichtfertigkeit der Weiber und der Heiligkeit des ungeborenen Lebens.«
Von Kalifornien wissen wir, dass 40% der 300000 – 500000 Abtreibungen pro Jahr durch Kontrazeptionsversager bedingt sind.
Aufschlussreich ist auch die Beobachtung, dass ausgerechnet in den Ländern, welche die moderne Kontrazeption im grossen Stil akzeptierten, die Abtreibungszahlen im gleichen Zeitraum nicht ab-, sondern massiv zunahmen.
Für viele wurde durch eine schleichende Mentalitätsänderung die Kontrazeption schließlich durch die Abtreibung ersetzt, wie dies Jugoslawien und die ehemalige DDR beweisen.
Seitens der Bevölkerungsplaner wurde sie schliesslich als reguläres Mittel zur »Geburtenkontrolle« eingesetzt. So ging wohl der grösste Teil der Ärzte dieser infamen Täuschung – »lieber Verhüten als Abtreiben« – auf den Leim. Auch Christopher Tietze vom Population Council, einer der obersten Bevölkerungsplaner, erklärte 1983: »Weil Abtreibung und Empfängnisverhütung die Vermeidung unerwünschter und fehlterminierter Geburten als gemeinsames Ziel teilen, besteht eine hohe Wechselbeziehung zwischen Abtreibungs- und Empfängnisverhütungserfahrung in Bevölkerungen, wo sowohl Empfängnisverhütung als auch Abtreibung erhältlich sind und wo Paare versucht haben, die Zahl und den Abstand ihrer Kinder zu regulieren. In solchen Gesellschaften haben Frauen, welche Empfängnisverhütung praktiziert haben, wahrscheinlich eher eine Abtreibung, als solche, die dies nicht taten. Abtreibung allein ist eine unwirksame Methode der Fruchtbarkeitsregulierung, aber sie wird zunehmend in dem Mass wirksamer, in dem die Ausweitung der Anwendung von Empfängnisverhütungsmitteln ihr die Rolle einer Rückversicherungs-Massnahme zuweist«.Tietze stellte bereits 1978 fest: "Vermutlich werden 20-50% der Pillenbenutzerinnen und eine ansehnliche Anzahl von Benutzern anderer Methoden innerhalb von 10 Jahren mindestens zwei oder mehr Abtreibungen durchmachen.
Der Abtreibungsbefürworter M. Potts sagte bereits 1973: »Wenn die Menschen sich der Kontrazeption zuwenden, wird es zu einem Anstieg und nicht zu einem Absinken der Abtreibungsrate kommen... «. Und 1979 erneut: »Keine Gesellschaft hat ihre Fruchtbarkeit kontrolliert..., ohne Rückgriff auf eine signifikante Anzahl von Abtreibungen. In der Tat ist die Abtreibung oft der Ausgangspunkt für die Fruchtbarkeitskontrolle.«
Ebenso sieht Pierre Chaunu einen Zusammenhang: »Es gibt nicht eine Verhütung, eine Abtreibung und eine Sterilisierung, sondern sie alle bilden ein Ganzes, bei dem das eine sich zwangsläufig aus dem anderen entwickelt. So wie Liebe, Geschlechtlichkeit und Fortpflanzung ein Ganzes aus relativ autonomen und doch nicht völlig voneinander zu trennenden Wirklichkeiten bilden, so sind auch künstliche Empfängnisverhütung, Abtreibung und Sterilisierung nichts als drei Etappen ein und derselben Familienpolitik.« Dass die immer wieder aufgestellte Behauptung, die Benutzung von Verhütungsmitteln würde die Abtreibungszahlen senken, wie es in dem Werbespruch »Lieber Verhüten als Abtreiben« unmissverständlich zum Ausdruck kommt, falsch ist, beweisen die jüngsten Zahlen aus England, das zu den Ländern mit der höchsten Pillen-Akzeptanz gehört: Dort nehmen 43% (!) der Frauen die Pille; Das ist fast jede zweite englische Frau! Würde die Benutzung von Verhütungsmitteln die Abtreibungszahlen senken, müsste die Abtreibungsquote in England entsprechend gesunken sein. Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr hat die Quote der Abtreibungen in England und Wales nach den von der britischen Regierung 1988 vorgelegten offiziellen Zahlen einen neuen Höchststand erreicht. Danach stieg die Zahl der Abtreibungen von 1969 bis 1988 von 7% auf 20%. Das ist eine Steigerung von fast 300%! Bei Teenagern stieg die Zahl sogar von 9% auf 36%, hat sich also vervierfacht. In Schottland betrug die Zahl der Kindestötungen im Mutterleib rund 16%.
Weitere Punkte, die Dr. R. Ehmann in seinem Referat aufgegriffen hat, sind:
Verhütung braucht Sexualität, braucht aber Sexualität auch die Verhütung?
Folgen der modernen Sexualität und Verhütung.
Bilanz der Kontrazeption und ihre Folgen.
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Harmonie
von Geist und Körper, was hat Enthaltsamkeit damit zu tun? Davon sprach Käthi
von Däniken. Sie schilderte ihre Schwierigkeiten mit der Empfängnisregelung
nach Ogino Knaus, bis sie und ihr Ehemann die Symtho-thermale Methode
kennenlernten. Käthi von Däniken berichtet:
Ich konnte an meinem Körper die fruchtbaren Tage in der Schleimphase ablesen, die wie eine Regenzeit in der Natur leicht zu verstehen war. Meine Zyklen entwickelten sich genau nach Buch. Die Folge davon: Meine Angst und Unsicherheit verschwanden. Im Gegensatz zu vorher wagte auch ich einmal meinen Mann zu verführen! Jetzt mit diesen genauen Kenntnissen des Zyklus, wurde die Enthaltsamkeit von einem unabwendbaren Grundübel zu einem dazugehörenden, integrierten Grundelement. Unser Leben hatte einen Rhythmus, den ich früher gar nie wahrgenommen hatte. Mein Zyklus war nun auch der Zyklus meines Mannes. Er wusste (und weiss) immer genau wo ich stand und konnte darauf eingehen. Die enthaltsamen Tage bekamen noch mehr neue Gesichtspunkte. Sie wurden zu einem Gesprächsthema. Wie gestalten wir unsere nächste gemeinsame Fruchtbarkeitsphase? Wie helfen wir uns, wenn wir eigentlich Lust hätten zusammenzukommen, aber im Moment kein Kind verantworten können? Kann man es planen, dass man in den fruchtbaren Tagen nicht zusammenkommt? Verliert man nicht die Spontaneität? Geht nicht die Liebe verloren, wenn man sich Gewalt antut und verzichtet?
Wir haben an diesen Tagen z.B. Fotos eingeklebt. So konnten wir in Erinnerungen schwelgen und viele Situationen überdenken, darüber lachen, reden, vielleicht sogar zusammen verarbeiten. Es tut gut zu sehen, dass man aneinander und miteinander gewachsen ist an den überstandenen Schwierigkeiten. Mit der Zeit haben wir diese besagten Tage für uns umgetauft. Wir nennen sie heute unsere Fastentage. Ich weiss nicht, haben Sie schon einmal in Jahresprogrammen von Bildungszentren das Angebot für Fastenwochen gelesen: Es wird dort auf das Essen verzichtet, also auf etwas was vordergründig für den Körper wäre, um Zeit zu gewinnen, den Geist, die Seele, das Spirituelle im Menschen zu pflegen. So wird ganz klar wozu das "sich zusammennehmen", "Gelüste überwinden" gut ist. Auch dass man daran keinen Schaden nimmt, sondern im Gegenteil, daran wächst. Mit der Zeit gehört das Verzichten zum Lebensstil, zum Rhythmus des Alltags und wird auch so empfunden. Also lässt es sich einplanen. Die Spontaneität kommt schon, nachdem gefastet wurde. Studien belegen übrigens, dass Ehepaare die mit der Pille verhüten im Durchschnitt weniger häufig zusammenkommen als NFP Paare. Wir üben in den enthaltsamen Tagen bewusst die gegenseitige Liebe im gemeinschaftlichen Leben des Alltags.
Das heisst zum Beispiel:
Gegenseitige Liebe im gemeinschaftlichen Leben des Alltags. Ich nehme mir Zeit, ihm bei der Arbeit zuzusehen, lasse meine Arbeit momentan liegen. Ich höre ihm bewusst aufmerksam zu, versuche ihn nicht zu unterbrechen oder mit meiner eigenen Meinung zu kontern. Ihn jeden Tag neu sehen, von vorne anfangen, zuerst einmal lieben, nicht kritisieren. Gemeinsames arbeiten im Garten gibt mir das Gefühl zusammen zu gehören. Er will mir am Computer etwas erklären und ich verstehe es wieder einmal nicht: Sich Mühe geben nicht gleich auszuflippen, ist ein gutes Übungsfeld für beide Seiten. Ich tue etwas für meine Gesundheit. Sich Weiterbilden, das Hobby pflegen. Seine Interessen wichtig finden, als wären es die Eigenen. Eigene Interessen mitteilen, teilhaben lassen an den Gedankengängen.
Diese bewussten Übungen der gegenseitigen Liebe und Einheit wirken sich natürlich auf den ganzen Monat aus. Ich habe nicht das Gefühl alleine zu lieben, sondern ich fühle mich auch geliebt. Unsere Anstrengungen beruhen auf Gegenseitigkeit. Wir verzichten gemeinsam, wir planen gemeinsam! Wir wundern uns manchmal, wenn wir andere Paare beobachten, wie sie fast mit dem Rechner daran gehen dem Partner aufzulisten wie viele Freistunden sie hatten, oder wie oft sie weg waren, und das Selbe für sich einfordern. Ich denke, das gibt es bei uns nicht, weil wir gelernt haben auf einander zu verzichten und deshalb einander frei geben können für wichtige Sachen ausserhalb der Ehe.
Hier habe ich ein Photo von unserem Klemens der vierte der sechs Kinder, und eine Geschichte dazu: Jedes Jahr organisiert der Fahrradverein ein Rennen unter den Schülern. Alle seine Freunde hatten ein neues "Rampichino" also ein Mountainbike. Er aber hatte ein altes zusammenklappbares Damenfahrrad, das zwar noch in gutem Zustand war, aber eben im Verhältnis zu den Fahrrädern der Freunde ein alter "Göppel". Wir hatten unsere liebe Mühe ihm zu sagen, dass wir ihm kein neues kaufen wollten, weil er ja eines hatte. Er hat auf diesem "Göppel" gewonnen, alle ausgestochen.
Nicht alles was alt scheint, ist schlecht. Auch wenn das Wort Enthaltsamkeit alt und verbraucht erscheint, ist die Herausforderung, für jede oder jeden der sie annimmt jedes mal neu. Jeder muss selber in die Pedalen steigen und sich abmühen, dass er es schafft. Auch die Ehe, immer mehr als überholte Lebensform verschrien, gelingt nur, wenn wir uns täglich neu anstrengen uns zu verstehen, uns gut zu wollen. Auch hier ist für jedes Ehepaar die Herausforderung immer wieder neu, bei jedem Paar verschieden, keines ist gleich wie das andere, also nie alt! Um das zu üben, gibt es die enthaltsamen Tage!
Zusammenfassend kann ich Ihnen sagen:
Der Einklang, die Zufriedenheit und Ausgeglichenheit die ich für mich, oder bei mir selber erlebe, die von mir aus gesehen die Harmonie von Körper und Geist bedeutet, weil wir beides gleichsam ausgewogen pflegen, empfinde ich genauso für unsere Zweierbeziehung, als Ehepaar. Es kommt glaube ich darauf an, wie hoch der Anspruch an das Glücksgefühl ist. Es gibt Paare die wollen zusammen Tiefe erleben im gemeinsamen Glück. Das heisst nicht, dass andere nicht auch glücklich sind. Aber schon die hl. Theresa von Avila sagte: "Im Himmel werden alle glücklich sein, trotzdem wird es solche geben die glücklicher sind als Andere." Enthaltsamkeit, die eigentlich gewöhnlich als Verlust von etwas dem Menschen Wichtigem bedeutet, enthält plötzlich viel Wertvolles, es enthält die gesamte Liebe und Glück zu zweit.
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Dr.
Andreas Laun, Weihbischof von Salzburg, sprach über die Enthaltsamkeit aus
theologischer Sicht. Seinem Vortrag entnehmen wir die Infragestellung der
vorehelichen Enthaltsamkeit sowie die Infragestellung der Ehelosigkeit um des
Himmelreiches willen. Weiter veröffentlichen wir hier seine Ausführungen über
die Botschaft der Zölibatären an die Eheleute und die Botschaft der
Verheirateten an die Zölibatären.
Die Infragestellung der vorehelichen Enthaltsamkeit
In den späten 60er Jahren verlor der damals in Fribourg lehrende Moraltheologe S. Pfürtner seinen Lehrstuhl, weil er die Auffassung vertrat, es könne einen sittlich einwandfreien Geschlechtsverkehr vor der Ehe geben. Ohne einen "Freibrief für jede Art vorehelicher Geschlechtsbeziehungen" geben zu wollen, meinte Pfürtner, geschlechtliche Beziehungen seien objektiv dort am Platz oder zumindest möglich, "wo die Partner aus ernsthafter Zuwendung zueinander einer Verdeutlichung ihrer Liebe zustreben". Heute ist die Zahl derer, die eben diese Meinung teilen, unüberschaubar. Vor rund 20 Jahren kommt H. Ringeling zu dem Ergebnis: "Die Diskussion" evangelischer und katholischer Theologen "führte mit innerer Notwendigkeit von einer unterschiedslosen Ablehnung nicht-ehelicher zu einer bedingten Anerkennung vorehelicher sexueller Beziehungen". Die Entwicklung ist, wie leicht erkennbar ist, in dieser Richtung weitergegangen: Die Forderung des KVB, die "verantwortete Gewissensentscheidung in Fragen der Sexualmoral" anzuerkennen. Sie wird übernommen von einer breiten Mehrheit auf dem sogenannten "Dialog für Österreich": voreheliche Beziehungen sollten als sittlich legitim - als Gewissensentscheidung - anerkannt werden.
Die Infragestellung der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen
In der Marien-Präfation heißt es: "Vom heiligen Geist überschattet, hat sie deinen eingeborenen Sohn empfangen und im Glanz unversehrter Jungfräulichkeit der Welt das ewige Licht geboren..." Heute ist der Sinn für den "Glanz" weitgehend geschwunden. Nicht die Ehelosigkeit, wohl aber den Verzicht auf ein gesundes Sexualleben hält man für verrückt oder unmöglich oder beides, unsinnig und nicht machbar.
In einem Punkt ist dieser Kritik zuzustimmen: Die zölibatäre Ehelosigkeit ist nur im Glauben verstehbar und, wenn es nicht zu Verkrümmungen der Seele kommen soll, auch nur so lebbar. Johannes Paul II. paraphrasiert einmal Jesus selbst und lässt ihn sagen. "Ich weiss, dass alles, was ich euch jetzt sagen werde, für euer Gewissen und euer Leibverständnis grsse Schwierigkeiten bringen wird. Ich spreche nämlich zu euch von der Ehelosigkeit, die ihr zweifellos mit physischer Impotenz, angeboren oder durch menschlichen Eingriff erworben, in Verbindung bringt. Ich hingegen möchte euch sagen, dass Ehelosigkeit auch freiwillig sein und vom Menschen 'um des Himmelreiches willen' gewählt werden kann".
Einräumen wird man auch müssen: Die Begründungen für die Jungfräulichkeit waren in früheren Zeiten oft von höchst fragwürdiger Qualität. "Die sinnlichen Freuden schwächen und lähmen ja gewaltig die Geisteskräfte und verschwenden Herz und Liebe, die Gott allein gebühren", schreibt ein bedeutender geistlicher Schriftsteller des 17. Jahrhunderts, aber es bedarf heute keiner Erklärung, dass darin wirklich "falsche" Töne mitschwingen.
Hat man ihn früher mit falschen Argumenten verteidigt, so wird er heute mit falschen Argumenten angegriffen: Die Leute vom Kirchenvolks-Begehren nennen ihn abschätzig eine "kirchenrechtliche Regelung", dass er, wie das Konzil sagt, eine "kostbare Gabe Gottes" sein könnte, kommt nicht in den Blick. Aber vielleicht hat Kardinal Meissner den Nagel auf den Kopf getroffen mit der Bemerkung: "Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen kann dort nicht hoch im Kurs stehen, wo man kaum noch mit dem Himmel rechnet."
Die Botschaft der Zölibatären
Die Zölibatären sagen "den anderen": Der Mensch, auch ihr Verheiratete, lebt in erster Linie für Gott, er und nicht Euer Partner ist euer "ganzes Glück" und eure "grösste Liebe". Gebt Gott die Liebe, die jeder Mensch ihm schuldet, und dann könnt und sollt ihr eurem Gatten die Liebe schenken, die ihm gebührt. Die Liebe zu Gott bewahrt eure eheliche Liebe vor der Entartung, sie mindert sie in keiner Weise, sondern führt sie zu einer Vollendung, die euch ohne Gott nicht möglich wäre.
Ähnlich "spricht" die zölibatäre Liebe zu den Noch-nicht-Verheirateten: Verankert euer Herz in Gott und lernt aus eurer vor-ehelichen Existenz, die für viele im Leben des Verwitweten enden wird: Die Ehe ist nicht der Sinn des Lebens. Auch wenn die Liebe bleibt, so gehört die Ehe zu dem, was vergeht. Die tiefste Sehnsucht eures Lebens soll nicht die Ehe, sondern der Himmel sein.
Den ungewollt Ehelosen tröstet die Botschaft der Zölibatären. Sie sagt ihm: Dein Allein-Sein ist nur innerweltlich Verarmung und trostlose Einsamkeit. Aber Gott liebt dich, und du kannst, wenn du der Gnade folgst und dieses Kreuz annimmst, ein Leben der Liebe leben – dazu bist du berufen.
Die Botschaft der Verheirateten
Die Verheirateten sagen den Zölibatären: Lernt von uns, was bräutliche Liebe heisst! Hütet euch: Wenn ihr niemand auf Erden liebt, heisst das noch lange nicht, dass ihr Gott liebt. Der Junggeselle ist Egozentriker und kein Ideal! Unser Ehestand ist nur der Raum für die Liebe, noch nicht die Liebe, und so ist es auch bei euch: Nicht euer Unverheiratet-Sein ist wertvoll, sondern nur die Liebe, die sich in diesem Frei-Bleiben entfaltet. Euer Zölibat ist ein leerer Raum – lasst ihn sich füllen durch Gott und Seine Liebe.
Sie sagen den Zölibatären auch: Scheut euch nicht, die Menschen und alle Geschöpfe zu lieben, aber liebt sie so, dass eure erste Liebe immer Gott bleibt. Dann werdet ihr die Schöpfung nicht weniger, sondern mehr und tiefer lieben.
Enthaltsamkeit und Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen leben von dem Geist der Liebe. Lassen Sie mich das leidenschaftliche Wort einer verheirateten Frau an das Ende dieser Überlegungen stellen:
Ein Dominikaner rühmte sich ihr gegenüber seiner größeren Vollkommenheit, die er mit seinem Stand begründete. "Aber nachdem er viel und lang gesprochen hatte," erzählt der Text weiter, "konnte Katharina, von einer glühenden Flamme reiner Liebe erfasst, ihn nicht mehr anhören. Sie sprang mit solcher Heftigkeit auf, dass sie wie von Sinnen schien, und sagte: ´Wenn ich glaubte, dass euer Gewand die Macht hätte, würde ich es Euch, wenn ich es sonst nicht bekommen könnte, ohne Bedenken mit Gewalt vom Leibe reissen. Mag sein, dass Ihr ein verdienstlicheres Leben führt als ich. Darauf kommt es mir nicht an. Aber dass ich Ihn nicht so sehr lieben könnte als Ihr, werdet Ihr mir auf keine Weise beibringen.´ Und dies sagte sie mit soviel Nachdruck und Begeisterung, dass ihr Haar sich löste und über die Schultern niederfiel. Sie war gewaltig und wie ausser sich in ihrer Hingerissenheit und doch ganz Anmut und Würde: ´Durch nichts kann Liebe gehemmt werden, und wenn sie durch irgend etwas gehemmt wird, ist sie nicht reine und klare Gottesliebe´. Nach Hause zurückgekehrt und allein mit ihrem Herrn, rief sie aus: ´O Liebe, wer soll mich hindern, dich zu lieben? Wäre ich nicht nur verheiratet, sondern lebte ich in einem Soldatenlager, ich könnte in meiner Liebe nicht gestört werden. Wenn Welt oder Gatte die Liebe hindern könnten, was wäre dann die Liebe?‘"