Tagung 2018

Organentnahme nach Herz-Kreislauf-Stillstand: Sind alle Spender bei der Entnahme tot?

In der Schweiz wurden im Jahr 2017 insgesamt 106 Organenentnah- men nach einer primären Hirnschädigung durchgeführt. 39 Organent- nahmen erfolgten nach Herz-Kreislauf-Stillstand, z.B. nach einem The- rapieabbruch aufgrund einer aussichtlosen Situation. Auf solche Fälle werden wir uns an unserer Tagung konzentrieren. Am 15. November 2017 hat der Bundesrat ein revidiertes Transplantationsgesetz und eine entsprechende Verordnung in Kraft gesetzt. Zum Anhang dieser Ver- ordnung gehören die revidierten medizinisch-ethischen Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) zur „Feststellung des Todes im Hinblick auf Organtransplantationen und Vorbereitung der Organentnahme“. Die SAMW hat in ihren Richtlini- en für die Organentnahme nach Herz-Kreislauf-Stillstand die Wartezeit klammheimlich von 10 auf 5 Min. halbiert. Die Vernehmlassung der SAMW enthielt keinen Hinweis auf diese einschneidende Reduktion, die dazu dient, möglichst frische Organe zu generieren. Auch der Bundesrat hat in seiner Medienmitteilung zur Revision der Transplantationsgesetz- gebung die Halbierung der Wartezeit verschwiegen. In Deutschland ist die Organentnahme nach Herz-Kreislauf-Stillstand generell verboten.

Was geschieht vor der Organentnahme nach Herz-Kreislauf-Stillstand? Was bedeutet die halbierte Wartezeit für die Träger eines Organspen- derausweises? Was bedeutet das für die Würde der Sterbenden? Wie ist die Praxis des Bundesrates, Richtlinien privater Organisationen wie der SAMW zu allgemein verbindlichem Recht zu erklären, aus ethischer und juristischer Sicht zu beurteilen? Welche Interessen stecken hinter der Volksinitiative, eine Widerspruchsregelung für die Organspende einzu- führen? Diese und weitere Fragen werden wir diskutieren.

Samstag 27. Oktober 2018, 14.00-18.30 Uhr
Gastort: Pfarrei Liebfrauenkirche,
Weinbergstrasse 36, 8006 Zürich

 

Im Nachgang zur Tagung werden nun die Referate bzw. Präsentationen sukzessive zur Verfügung gestellt.


hl. Messe in der Liebfrauenkirche: Predigt von Dompropst Christoph Casetti


Begrüssung durch Domherr Dr. Roland Graf, Präsident a.i. von HLI-Schweiz


Dr. med. Ursula Knirsch, Fachärztin für Neurologie

«Todesfeststellung nach Herz-Kreislauf-Stillstand vor einer Organentnahme»

(Podcast Radio Gloria)

Den Anfang unserer Tagung haben wir mit einem ganz positiven Referat begonnen. Als Fachärztin für Neurologie arbeitet Frau Dr. Ursula Knirsch heute in eigener Praxis und als Oberärztin in einer kinderneurologischen Klinik. Sie ist Vorstandsmitglied der Hippokratischen Gesellschaft Schweiz.

 



Dr. med. Peter Ryser-Düblin, Internist

«Wartezeit nach Herz-Kreislauf-Stillstand: Rückblick auf die SAMW-Richtlinien und die Praxis der Organentnahme bis zur Gegenwart»

(PräsentationReferat – Podcast Radio Gloria)

Peter Ryser-Dublin ist Spezialarzt für Innere Medizin FMH. Nach Führen einer Landarztpraxis wechselte er zur versicherungsmedizinischen Tätigkeit, zuletzt als Vertrauensarzt für verschiedene Krankenversicherer. In den letzten 10 Jahren besuchte er moraltheologischer und philosophischer Vorlesungen in Fribourg. In dieser Zeit widmete er sich mit grossem Interesse bioethischen Fragestellungen, vor allem im Rahmen von HLI Schweiz und der Vereinigung Katholischer Ärzte der Schweiz.

 



lic. iur & theol. Niklaus Herzog, Vizepräsident HLI-Schweiz

«SAMW-Richtlinien und Bundesrat oder wie irreführend darf eine Medienmitteilung sein?»

(Referat – Podcast Radio Gloria)

Bis vor kurzem war Niklaus Herzog Geschäftsführer der Kantonalen Ethikkommission Zürich. Er ist Theologe und Jurist. Er war Notar beim Interdiözesanen Gericht der Schweizer Bischofskonferenz (1986 –1990) und Geschäftsführer der Katholischen Presseagentur KIPA sowie des Schweizerischen Katholischen Pressevereins. Von 1994 –1998 Chefredaktor der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International. Niklaus Herzog hat sich auf unseren Wunsch mit dem Bundesgerichtsentscheid befasst, der die Heilsarmee zwingt, aufgrund des kantonalen Gesetzes, Beihilfe zum Suizid in ihren Räumlichkeiten zuzulassen.


Podiumsgespräch moderiert von Guiseppe Gracia mit allen Referenten und Prof. Dr. med. Christoph Haberthür
(Podcast Radio Gloria)