Neuregelung des Fortpflanzungsmedizingesetzes: Massenhafte Vernichtung von Embryonen

(Zug, 11.6.2019) Um was geht es? Bis anhin war es üblich, dass das Bundesamt für Statistik (BFS) eine eigene Medienmitteilung über die Statistik der medizinisch unterstützten Fortpflanzung veröffentlichte. Seit Inkrafttreten des reviedierten Fortpflanzungsmedizingesetzes (FMedG) versteckt nun das BFS die höchst brisanten Zahlen der vernichteten und tiefgefrorenen Embryonen als Anhängsel unter dem Titel „Geburten und Müttergesundheit im Jahr 2017: Kaiserschnitt- und Dammschnittrate waren 2017 rückläufig“. Was mag wohl der Grund für dieses Versteckspiel sein? Ein Blick auf die Statistik weckt schlimmste Befürchtungen.

2016

2017

Berechnet für
1.9.-31.12.2017

Hochrechnung für 2018

frische Zyklen

6’116

5’999

2’000

6’000

Kryozyklen

4’887

4’944

Total Behandlungszyklen

11’003

10’943

imprägnierte Eizellen

26’175

25’021

Entwickelte Embryonen

18’188

25’635

(+) 7’546

ca. 40’727

Vernichtete Embryonen

3’297

7’851

(+) 4’572

ca. 16’995

Tiefgefrorene Embryonen

251

4’943

(+) 4’693

ca. 14’329

tiefgefrorene imprägnierte Eizellen

15’503

10’401

(-) 5’017

aufgetaute Embryonen

157

1’031

(+) 875

transferierte Embryonen

14’659

12’874

ca. 14’380

Geborene Babys

2’162

2’188

Weil seit dem 1. September 2017 bei der herkömmlichen In-vitro-Fertilisation statt bisher nur drei neu bis zu 12 Embryonen entwickelt werden dürfen, hat sich bis Ende 2017 die Zahl der entwickelten Embryonen um 40,9% erhöht. Die Zahl der vernichteten Embryonen hat sich mehr als verdoppelt, jene der tiefgefrorenen Embryonen stieg um den Faktor 19.

Die Hochrechnung auf ein ganzes Jahr für 2018 zeigt erst das Ausmass der neuen Regelungen in seiner ganzen Tragweite. Falls die Zahl der Behandlungszyklen im gleichen Rahmen bleibt, dürfte sich im Jahr 2018 die Zahl der entwickelten Embryonen gegenüber 2016 um den Faktor 2,3 erhöhen. Die Zahl der vernichteten Embryonen wird um den Faktor 5 steigen. Die Zahl der tiefgefrorenen Embryonen wird im Jahr 2018 sogar um den Faktor 57 steigen.

Vom 1.1.2001 bis zum 31.8.2017 war die Tiefgefrierung von Embryonen verboten. Diese wurden nur in Notfällen (Krankheit/Unfall) tiefgefroren, um die Embryonen zu retten. In den Jahren von 1998 bis 2000 hielten sich manche IVF-Kliniken nicht an Art. 24novies  Abs. 2 Bst. c (ab 2000 Art 119 Abs. 2 Bst. c) der Bundesverfassung: „Es dürfen nur so viele menschliche Eizellen ausserhalb des Körpers der Frau zu Embryonen entwickelt werden, als ihr sofort eingepflanzt werden können.“ Die neue Bestimmung in der Verfassung, wonach „nur so viele menschliche Eizellen ausserhalb des Körpers der Frau zu Embryonen entwickelt werden, als für die medizinisch unterstützte Fortpflanzung notwendig sind“,wird durch die Reproduktionsmediziner als Freipass für die Entgrenzung der Zahl der künstlich hergestellten Embryonen missbraucht.

Laut Jahresbericht der FIVNAT (Zusammenschluss aller IVF-Zentren der Schweiz) sank in den letzten vier Monaten die Zahl der Mehrlinge von 18,4% auf 11,4%. Doch das wird zu einem teuren Preis erkauft. Der von der Bundesverfassung Art.119 Abs. 1 geforderte Schutz vor dem Missbrauch der Fortpflanzungsmedizin wird durch diese Praxis in eklatanter Weise verletzt. Das Parlament steht in der Pflicht, dieser Verfassungswidrigkeit den Riegel zu schieben.

Präimplantationsdiagnostik

Die hohe Anzahl entwickelter, vernichteter und tiefgefrorener Embryonen ist nicht auf die Einführung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ab dem 1. Sept. 2017 zurückzuführen. Wie das BFS am 17. Mai 2019 mitteilte, sind bis Ende 2017 die Embryos von 55 Paaren vor dem Transfer in die Gebärmutter genetisch untersucht worden. Der Statistik ist zu entnehmen, dass es nur bei einem einzigen Fall um eine genetisch bedingte Krankheit ging. Total 24 Embryonen wurden im Rahmen der PID wegen einer genetischen Anomalie vernichtet. Die Auswirkung der PID auf die Statistik wird sich wohl erst in den Zahlen des Jahres 2018 und 2019 niederschlagen.

Quellen: 

Medienmitteilung des BFS vom 17.5.2019: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/aktuell/neue-veroeffentlichungen.assetdetail.8288947.html

Statistik über die medizinisch unterstützte Fortpflanzung des BFS vom 17.5.2019: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/aktuell/neue-veroeffentlichungen.gnpdetail.2019-0210.html

Jahresbericht der FIVNAT für 2017: http://www.sgrm.org/wb/media/FIVNAT/FIVNAT_Jahresbericht_2018_Zyklen_2017_DEFR_Web.pdf

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